In Hamburg-Rahlstedt sorgte ein neuer, geschützter Radweg für Aufsehen – jedoch nicht im positiven Sinne. Der erst kürzlich angelegte Radweg in der Berner Straße wurde nach nur einem Monat wieder zurückgebaut. Die Maßnahme, die im vergangenen Jahr im Rahmen einer Grundsanierung umgesetzt wurde, sollte die Sicherheit der Radfahrenden erhöhen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die Umsetzung gravierende Mängel aufwies, die zu mehreren Unfällen führten. Die geschützten Radstreifen waren durch knapp 20 Zentimeter hohe Betonelemente von der Autofahrbahn abgetrennt. Diese Elemente, die als Sicherheit gedacht waren, erwiesen sich schnell als problematisch, insbesondere in der winterlichen Witterung, die die Radspur unbrauchbar machte.
Die Verkehrsbehörde räumte ein, dass es Probleme mit den Protektionselementen gab, die teilweise auf dem Radweg lagen und eine Gefahr für Radfahrer und Autofahrer darstellten. Insgesamt wurden 120 beschädigte Barrieren gezählt, von denen elf nicht mehr an ihrem vorgesehenen Platz waren. Henrik Horndahl, Sprecher der Verkehrsbehörde, bestätigte die Unfälle, und Ole Thorben Buschhüter, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, äußerte, dass die Bauform auf den schmalen Abschnitten nicht bewährt habe. Beschwerden über die Radweggestaltung waren bereits vor dem Rückbau aufgekommen, und es bleibt unklar, ob künftig ein normaler Fahrradstreifen oder zusätzliche Schutzelemente installiert werden.
Schutz und Sicherheit im Radverkehr
Die neue Radspur, die im Dezember fertiggestellt wurde und eine Länge von 1,7 Kilometern aufwies, sollte durch 16 Zentimeter hohe Betonsteine, sogenannte Protektionselemente, die Sicherheit für Radfahrer erhöhen. Doch die winterlichen Bedingungen führten dazu, dass die Trennelemente sich lösten und zu Kollisionen führten. Die Verkehrsbehörde spricht von „unglücklichen Umständen“, während viele Radfahrer sich über die unzureichende Planung wundern. Ähnliche Projekte in anderen Städten, wie Berlin-Neukölln, haben gezeigt, dass solche Umbauten hohe Kosten verursachen können – in diesem Fall waren es 170.000 Euro für 580 Meter Radweg.
Die Planung der Radspur wurde in Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und der Behörde für Inneres und Sport abgestimmt. Dennoch stellt sich die Frage, wie sicher Radfahrende in Hamburg wirklich sind. Laut dem Fahrrad-Monitor 2015 fühlt sich fast die Hälfte der Deutschen beim Radfahren unsicher. Der ADFC hat 15 Leitlinien zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur in Deutschland entwickelt, um mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen. Physische Barrieren zwischen Rad- und Autoverkehr sollen die Sicherheit erhöhen, und es wird empfohlen, Radfahrende bei wenig Autoverkehr im Mischverkehr fahren zu lassen.
Die Zukunft der Radinfrastruktur
Die gescheiterte Umsetzung des geschützten Radweges in Rahlstedt wirft Fragen nach der zukünftigen Radinfrastruktur auf. Der ADFC empfiehlt, dass Radverkehr ausreichend Platz benötigt, einschließlich mehrspuriger Fahrräder und Lastenräder. Zudem schlägt die Organisation ein Budget von mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr für attraktiven Radverkehr vor. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt Hamburg auf die jüngsten Ereignisse reagieren wird und ob neue Konzepte entwickelt werden, die die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden gewährleisten können.
Weitere Informationen und Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln von NDR und Bild. Die Herausforderungen sind groß, aber die Notwendigkeit einer sicheren und benutzerfreundlichen Radinfrastruktur ist unbestritten.