Hans-Jürgen Massaquoi: Ein Leben zwischen Rassismus und Resilienz

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Erfahren Sie mehr über das bewegte Leben von Hans-Jürgen Massaquoi, geboren in Harvestehude, und seinen Umgang mit Rassismus im Nationalsozialismus.

Erfahren Sie mehr über das bewegte Leben von Hans-Jürgen Massaquoi, geboren in Harvestehude, und seinen Umgang mit Rassismus im Nationalsozialismus.
Erfahren Sie mehr über das bewegte Leben von Hans-Jürgen Massaquoi, geboren in Harvestehude, und seinen Umgang mit Rassismus im Nationalsozialismus.

Hans-Jürgen Massaquoi: Ein Leben zwischen Rassismus und Resilienz

Heute, am 19. Januar 2026, nehmen wir uns einen besonderen Moment, um an einen außergewöhnlichen Sohn Hamburgs zu erinnern: Hans-Jürgen Massaquoi. Geboren am 19. Januar 1926 in Hamburg-Eppendorf, war Massaquoi das Kind einer deutschen Krankenschwester, Bertha Baetz, und eines liberianischen Diplomaten, Al-Haj Massaquoi. Sein Leben spiegelt die Kämpfe und Triumphe wider, die viele Menschen afrikanischer Abstammung während des nationalsozialistischen Regimes erleben mussten, und bietet zugleich eine wichtige Perspektive auf Rassismus in Deutschland.

Massaquoi wuchs in einer Zeit der massiven gesellschaftlichen Instabilität und Diskriminierung auf. Bereits als Kind erlebte er, was es bedeutet, anders zu sein. Nachdem seine Familie von Harvestehude nach Barmbek gezogen war, wurde der kleine Hans oft mit feindseligen Blicken konfrontiert. Es verstärkte sein Gefühl des „Andersseins“, als viele Mitglieder seiner Familie 1929 nach Liberia zurückkehrten und er zusammen mit seiner Mutter allein zurückblieb. Dabei wurde er regelmäßig gemobbt und in der Schule von Lehrern erniedrigt. Im Alter von 13 Jahren war er bereits so stark von der Diskriminierung betroffen, dass er trotz anfänglicher Begeisterung für die Nationalsozialisten schnell die brutale Realität der Ausgrenzung erkannte.

Ein Leben im Schatten des Nationalsozialismus

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 führte dazu, dass Massaquoi offiziell als „Nicht-Arier“ diskriminiert wurde. Nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 war er von vielen Berufen ausgeschlossen und musste eine Lehre als Arbeiter anfangen. Immer wieder war er Ziel rassistischer Angriffe, was ihn auf eine harte Probe stellte. Seine geheime Beziehung zu einer weißen Schülerin endete damit, dass er von der SS festgenommen wurde, aber dank eines Polizisten, der ihn kannte, entkam.

Die Bombenangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 überlebte Massaquoi mit seiner Mutter, doch nach dem Krieg war das Bild ihrer Heimat geprägt von Trümmern und Verlust. Um in seinem Leben einen Neuanfang zu wagen, ging er 1948 zu seinem Vater nach Liberia, bevor es ihn 1950 in die USA verschlug. Dort diente er als Fallschirmjäger in der US-Armee und studierte danach Publizistik.

Karriere und Vermächtnis

Sein beruflicher Werdegang führte ihn zur afro-amerikanischen Zeitschrift „Ebony“, wo er 39 Jahre lang wirkte und Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Martin Luther King und Malcolm X führte. Massaquoi kehrte 1966 zum ersten Mal wieder nach Deutschland zurück und veröffentlichte 1999 seine Autobiografie „Neger, Neger, Schornsteinfeger“. Diese wurde später verfilmt und gab Einblicke in die rassistischen Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend.

Seine Arbeit und sein Engagement für die Bekämpfung von Rassismus waren unermüdlich. 2009 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen, eine Anerkennung für sein Lebenswerk, das auch posthum weiterwirkt. Am 19. Januar 2013, an seinem 87. Geburtstag, verstarb Massaquoi in Jacksonville, Florida, hinterlässt zwei Söhne und ein eindrucksvolles Erbe.

Aktuelle Kontexte und Herausforderungen

Sein Leben lädt dazu ein, über Rassismus in Deutschland nachzudenken. Laut Berichten gibt es zum Beispiel immer noch rassistische Mikroaggressionen, die in vielen gesellschaftlichen Bereichen alltäglich sind. Experten und Aktivisten kritisieren die rassistischen Strukturen und das systematische Racial Profiling in Polizei und staatlichen Institutionen. Diese Themen sind aktueller denn je, besonders im Hinblick auf die Berichte über rassistische und rechtsextreme Chatgruppen innerhalb der Sicherheitsbehörden in Deutschland, die das Vertrauen in die Institutionen weiter erschüttern.

Immer noch gibt es einen spürbaren Riss zwischen denjenigen, die Rassismuserfahrungen machen, und der Gesellschaft, die diese oft nicht anerkennt. Massaquois Leben und Werk sind ein eindringlicher Appell, die Augen für diese Realität zu öffnen und aktiv gegen Diskriminierung zu kämpfen. 2017 wurde eine Fußgängerpassage in Barmbek nach ihm benannt, um sein Vermächtnis zu ehren und die Erinnerung wachzuhalten.