Heute ist der 9.02.2026. In den letzten Jahren hat die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) einen ernsthaften Blick auf die dunklen Schatten ihrer Geschichte geworfen. Forscher der Universitäten Marburg und Gießen haben eine umfassende Studie zur sexualisierten und spirituellen Gewalt in der DPSG durchgeführt, die von der Organisation selbst in Auftrag gegeben wurde. Die Untersuchung erstreckt sich über mehr als zwei Jahre und beleuchtet Vorfälle seit der Gründung der DPSG im Jahr 1929. Diese Studie wurde kürzlich veröffentlicht und zeigt auf, dass ein erheblicher Teil der befragten Pfadfinderinnen und Pfadfinder, konkret jede/r fünfte, körperliche sexualisierte Gewalt erlebt hat, wobei Berichte über unerwünschtes Begrapschen und verbale Übergriffe noch häufiger sind. Auch gravierende Fälle wie Vergewaltigungen wurden dokumentiert, was die Dringlichkeit und den Ernst der Situation unterstreicht. Ein Beispiel aus der Studie beschreibt einen Übergriff, der während eines Pfadfindercamps von zwei Jugendlichen begangen wurde. Diese und weitere Berichte zeigen deutlich, dass die Pfadfinder besonders auf Fahrten und Lagern gefährdet sind.
Das Forschungsteam hat auch festgestellt, dass die Täter überwiegend männliche Leiter sind, die ihre Vertrauenspositionen ausnutzen. Emotionaler Druck, um intime Fotos zu erhalten, und die Rolle von Alkohol bei den Übergriffen sind ebenfalls alarmierende Ergebnisse der Studie. Die DPSG hat inzwischen ihr Versagen und das unermessliche Leid, das vielen Betroffenen zugefügt wurde, anerkannt. Maximilian Strozyik vom Vorstand der DPSG hat die Notwendigkeit betont, gewaltbegünstigende Strukturen zu beseitigen. Ziel ist es, die Sicherheit für alle Mitglieder zu verbessern und Übergriffe künftig leichter zu melden.
Strukturelle Probleme und Handlungsbedarf
Die jüngsten Ergebnisse der Studie, die am 5. Februar 2026 in einer Pressekonferenz vorgestellt wurden, stützen sich auf Interviews mit Betroffenen sowie Experten und decken ein weit verbreitetes strukturelles Problem auf. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere Kinder und Jugendliche in Gemeinschaftssituationen wie Lagern und Fahrten gefährdet sind. Es wird betont, dass viele Taten in einem Machtgefälle zwischen erwachsenen Leitern und minderjährigen Mädchen stattfinden, während auch Übergriffe durch Gleichaltrige dokumentiert wurden.
Das Forschungsteam fordert eine kritische Hinterfragung von Ritualen, Traditionen sowie Macht- und Nähe-Distanz-Verhältnissen innerhalb der DPSG. Institutionelles Wegsehen und Bagatellisieren haben die Taten begünstigt. Die DPSG hat sich dazu verpflichtet, Verantwortung für das Leid der Betroffenen zu übernehmen und bestehende Strukturen zu überdenken. Handlungsleitfäden wurden veröffentlicht, um eine Orientierung für Gespräche zu den Ergebnissen zu geben. Zudem sind digitale Austauschformate für den 11.02., 24.02. und 12.03.2026 jeweils um 19:30 Uhr geplant, um eine breitere Diskussion zu ermöglichen.
Die Verantwortung der DPSG und anderer Verbände
Mit über 83.000 Mitgliedern ist die DPSG der größte Pfadfinderverband Deutschlands. Andere Pfadfinderverbände, wie der Christliche Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverband, haben ebenfalls Gewaltvorfälle untersucht, wobei seit 1973 mindestens 344 Opfer sexualisierter Gewalt dokumentiert wurden. Dies unterstreicht, dass das Problem nicht isoliert ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Thema darstellt, das in vielen Institutionen und Organisationen vorkommt. Die Ergebnisse dieser Studien sind nicht nur ein Aufruf zur Verantwortung für die DPSG, sondern auch für die gesamte Gemeinschaft, die sich mit den Herausforderungen von Gewalt und Missbrauch auseinandersetzen muss.
Für weitere Informationen über den Aufarbeitungsprozess und zur Kontaktaufnahme stehen die Ansprechpersonen Linda Zurwonne, Lisa Dzialdowski, Miriam Noske und Sebastian Becker zur Verfügung. Presseanfragen können an Isabella Braun, Miriam Noske und Sebastian Becker gerichtet werden. Weitere Informationen sind auf der DPSG-Website verfügbar.
Die Erkenntnisse dieser Studien sind erschütternd und werfen ein grelles Licht auf die Notwendigkeit von Veränderungen in der DPSG und darüber hinaus. Es bleibt zu hoffen, dass die eingeleiteten Maßnahmen zu einer signifikanten Verbesserung der Sicherheit und des Wohlbefindens aller Mitglieder führen. Die Gesellschaft ist gefordert, diesen Missständen entgegenzuwirken und eine Kultur des Schutzes und des Respekts zu fördern.