In einem außergewöhnlichen Fall aus der Hamburger Kriminalgeschichte beginnt heute der Prozess gegen einen mutmaßlichen Mörder, der vor über 43 Jahren eine Transperson ermordet haben soll. Der Fall, der als der älteste Cold Case in der Geschichte der Hamburger Polizei gilt, zieht nicht nur die Aufmerksamkeit der Medien auf sich, sondern wirft auch Fragen zur Aufklärung von Verbrechen auf, die lange als ungeklärt galten. Der mutmaßliche Täter, ein gehörloser Mann, wurde im November 2022 in Finkenwerder verhaftet und steht nun vor dem Landgericht Hamburg.

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 11. Januar 1983 im Stadtteil Hammerbrook. Das Opfer, bekannt als „Angelique“, war zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt und arbeitete als transsexuelle Prostituierte. Die Ermittlungen ergaben, dass der Angeklagte, zur Tatzeit 18 Jahre alt, mit einem Revolver drei Schüsse auf Angelique abgab, die fatale Folgen hatten. Nach dem Mord flüchtete er mit 300 D-Mark Bargeld aus dem Wohnwagen des Opfers, wo die grausame Tat stattfand [NDR].

Ein langer Weg zur Aufklärung

Die Hamburger Polizei konnte den Fall über Jahrzehnte nicht aufklären, doch 1983 gesicherte DNA-Spuren führten schließlich zur Identifizierung des Angeklagten. Diese Spuren konnten erst Jahre später mit moderner Technik ausgewertet werden. Der Angeklagte bestreitet die Tat und gab an, sich an nichts erinnern zu können. „Mein Kopf ist eigentlich leer“, äußerte er in einer der ersten Verhandlungen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord aus Habgier vor und plant, auch bei einem möglichen Geständnis eine Jugendstrafe von fünf bis sechs Jahren zu fordern, wobei die Höchststrafe für Mord bei Heranwachsenden 15 Jahre beträgt [Welt].

Zusätzlich ist bemerkenswert, dass der Angeklagte in den 1980er Jahren auch unter Verdacht stand, einen anderen Mord und einen Mordversuch begangen zu haben, jedoch freigesprochen wurde. Seine frühe kriminelle Vergangenheit umfasst eine erste Inhaftierung im Alter von 14 Jahren sowie einen gescheiterten Fluchtversuch aus einem Jugendgefängnis im Jahr 1981. Diese Vorgeschichte könnte im aktuellen Prozess eine Rolle spielen.

Ein Blick auf andere Cold Cases

Der Fall von Angelique ist nicht der einzige, der in den letzten Jahren durch neue forensische Methoden aufgeklärt wurde. Ein Beispiel ist der Mord an der 17-jährigen Esther Gonzales in Kalifornien, der 1979 geschah. Erst 40 Jahre später konnten moderne DNA-Analysen zur Identifizierung des Täters führen, der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Solche Fälle zeigen, wie wichtig Fortschritte in der Kriminaltechnik für die Aufklärung von Verbrechen sind und welchen Einfluss sie auf das Leben der Angehörigen haben können [RTL].

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Der Prozess um den Mord an Angelique, dessen weitere Verhandlungstermine bis zum 12. Juni angesetzt sind, könnte somit nicht nur für die Aufklärung eines tragischen Verbrechens von Bedeutung sein, sondern auch als Beispiel für die Fortschritte in der Kriminalistik dienen. Die Hamburger Polizei und die Staatsanwaltschaft hoffen, dass dieser Fall endlich zu einem Abschluss kommt und die Angehörigen von Angelique die Wahrheit erfahren.