Am 8. April 2025 erhielt Hamburg mit der Eröffnung der Westfield-Mall im Überseequartier ein neues Einkaufsziel. Das Überseequartier liegt im Stadtteil Hafencity und besteht aus einem nördlichen Teil, der bereits seit 2019 fertiggestellt ist, und einem neuen südlichen Teil, der von URW erbaut wurde. Die Investitionen in dieses ehrgeizige Projekt belaufen sich auf stolze 2,45 Milliarden Euro und umfassen neben dem Einkaufszentrum vier Bürogebäude, drei Hotels, ein Kreuzfahrtterminal und Wohnraum. Ein solches Vorhaben bringt nicht nur wirtschaftliche Aspekte mit sich, sondern hat auch Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und das städtische Leben.
Die ersten Besucherzahlen nach der Eröffnung zeigen, dass das Westfield-Zentrum in seinem ersten Jahr etwa 12 Millionen Besuche verzeichnen konnte. URW wertet dies als Erfolg, auch wenn die ursprünglichen Erwartungen mit 16,2 Millionen Besuchen pro Jahr etwas höher waren. Zum Vergleich: Die Europapassage am Jungfernstieg hatte 18,5 Millionen Besuche, während das Billstedt-Center und das Alstertal-Einkaufszentrum 10 Millionen und 9,2 Millionen Besuche verzeichneten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Erhebungsmethoden der Besucherzahlen nicht direkt vergleichbar sind. Die Passantenfrequenzen in der Innenstadt gingen nach der Eröffnung des Westfield zunächst leicht zurück, pendelten sich jedoch bis Ende Sommer 2025 wieder auf Vorjahresniveau ein.
Einfluss auf die Innenstadt
Die Auswirkungen des neuen Einkaufszentrums auf die Innenstadt sind bislang nicht eindeutig ermittelt worden. Mimi Sewalski vom City Management Hamburg bezeichnet das Westfield-Einkaufszentrum zwar als Bereicherung, beobachtet jedoch eine stärkere Verteilung der Besucherströme. Die frühere Innenstadtkoordinatorin Elke Pahl-Weber stellte fest, dass die Eröffnung des Westfield-Zentrums nicht zu einem Rückgang der Innenstadtbesuche führte. Julian Petrin, Pahl-Weber’s Nachfolger, merkt an, dass hohe Besuchszahlen nicht zwangsläufig hohe Umsätze bedeuten.
Die General Managerin des Westfield Hamburg-Überseequartiers, Theda Mustroph, zieht ebenfalls eine positive Bilanz und berichtet von 98 Prozent vermieteten Flächen für Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit. Dennoch bleiben die Eröffnungstermine der drei geplanten Hotels im Quartier unklar. Laut dem Handelsverband Nord, vertreten durch Brigitte Nolte, gibt es jedoch Umsatzeinbußen in der Innenstadt, die auf die zusätzliche Verkaufsfläche in der Hafencity zurückzuführen sind. Stadtentwicklungssenatorin Pein betont indes die Beliebtheit der Innenstadt trotz negativer Berichterstattung.
Die Zukunft der Innenstädte
Die Entwicklungen rund um das Westfield-Zentrum sind Teil einer größeren Diskussion über die Zukunft der Innenstädte, die eine zentrale Herausforderung der Stadtentwicklung darstellt. Die Coronapandemie hat die Veränderungen in zentralen Lagen von Städten verstärkt. Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsclusters „Innenstädte“ wurden mehrere Studien des BBSR durchgeführt, die aktuelle Trends und Herausforderungen in Innenstädten untersuchen. Dazu gehören unter anderem die Umnutzung ehemaliger Kaufhäuser, die Rolle junger Menschen in der Gestaltung urbaner Räume und die Auswirkungen des Onlinehandels auf stationäre Geschäftsmodelle.
Insgesamt zeigt die Situation im Hamburger Überseequartier, dass neue Konzepte und Ideen für die Innenstadtentwicklung notwendig sind, um Identitäts- und Begegnungsorte zu schaffen. Die aktive und kooperative Gestaltung der Zukunft der Innenstädte ist entscheidend, um den Herausforderungen der modernen Stadtentwicklung zu begegnen. Die Zusammenführung von Forschungsergebnissen und praktischen Erfahrungen bietet vielfältige Anregungen und Perspektiven, die es wert sind, erkundet und diskutiert zu werden.
Für weitere Informationen zu den Entwicklungen im Hamburger Überseequartier und deren Auswirkungen auf die Innenstadt, können Sie die vollständigen Berichte auf n-tv und NDR nachlesen. Außerdem bietet das BBSR wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen für die Innenstädte im Umbruch.