In Hamburg sorgt die Forderung nach mehr Transparenz in den Behörden für Diskussionen. Am 21. Januar 2026 präsentierte Hamburgs Datenschutzbeauftragter, Thomas Fuchs, den neuen Transparenzbericht und forderte mehr Offenheit und Transparenz von den Behörden bei der Herausgabe von Informationen. Fuchs kritisierte, dass Behörden in Einzelfällen Auskünfte verweigern, selbst wenn es sich um wenig sensible Informationen handelt. Ein Beispiel, das er anführte, war der Fall eines Bürgers, der Einblick in ein Strategiepapier der Hafenlogistikfirma HHLA bei der Wirtschaftsbehörde wollte. Die Behörde weigerte sich zunächst, den Zugang zu gewähren, obwohl das Dokument sich als Präsentation einer Anwaltskanzlei mit Verkaufsoptionen und allgemein verfügbaren Unternehmensdaten herausstellte.

Ein weiteres Beispiel betrifft die Senatskanzlei, die sich weigerte, die Namen der Gäste des Matthiae-Mahls offenzulegen. Fuchs argumentiert, dass in solchen Fällen das öffentliche Interesse oft das Geheimhaltungsinteresse der Gäste überwiegt. Er stellte fest, dass politisch brisantere Themen zu höheren Hürden für Antragsteller führen. Zudem scheitern viele Auskunftsanträge daran, dass entscheidungsrelevante Informationen, insbesondere die digitale Kommunikation von Entscheidungsträgern, nicht dokumentiert werden.

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Der neue Transparenzbericht

Im neuen Transparenzbericht wird deutlich, dass Behörden eine größere Bereitschaft zur Offenheit entwickeln sollten. Fuchs hebt hervor, dass es Fälle gibt, in denen Auskünfte ohne überzeugenden Grund verweigert werden. Dies wird nicht nur durch die genannten Beispiele, sondern auch durch weitere Vorfälle untermauert. So konnte ein Journalist im Zusammenhang mit dem Cum-Ex-Skandal keine Unterlagen zur Beantwortung einer Bürgerschaftsanfrage einsehen, da relevante Abstimmungen nicht dokumentiert waren. Ein Beispiel zeigt, dass Transparenz nicht immer gelten kann: Ein Detektiv wollte die Echtheit eines Hochschulzeugnisses von der Universität Hamburg bestätigt bekommen, die Auskunft wurde jedoch verweigert.

Fuchs weist darauf hin, dass Transparenz und Datenschutz keine Widersprüche darstellen müssen, sondern klare Regeln erfordern. Er fordert, dass entscheidungsrelevante Kommunikation, egal ob in Chats oder E-Mails, dokumentiert werden muss, um die Transparenz zu fördern. Der Mangel an Dokumentation in der Verwaltung ist jedoch ein weit verbreitetes Problem, das es zu lösen gilt.

Herausforderungen der digitalen Verwaltung

Die Diskussion um Transparenz in der Hamburger Verwaltung ist Teil eines größeren Problems in Deutschland, wo Behörden erheblichen Nachholbedarf in Bezug auf Open Data und Digitalisierung haben. Öffentlich finanzierte Inhalte sollten der Allgemeinheit frei zur Verfügung stehen, einschließlich Informationen der Verwaltung und digitalisierten Beständen von Kulturinstitutionen. Das Onlinezugangsgesetz verpflichtet zur Bereitstellung von Verwaltungsleistungen auf digitalen Portalen bis Ende 2022, doch die Realität sieht oft anders aus.

Es gibt eine spürbare Lücke zwischen der Geschwindigkeit digitaler Innovationen in der Zivilgesellschaft und der langsamen Anpassung der öffentlichen Verwaltung. Nur drei Prozent der Verwaltungsleistungen sind bisher digitalisiert, was auch an der unzureichenden Infrastruktur liegt. Kritiker bemängeln, dass zu viel nutzlose Software auf kommunaler Ebene mehrfach entwickelt wird, anstatt offene Softwarelösungen zu schaffen. Die Pandemie hat diese digitalen Defizite der deutschen Verwaltungsbehörden deutlich gemacht, beispielsweise in Schulen ohne WLAN und Gesundheitsämtern, die Informationen noch per Fax weiterleiten.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen ist es entscheidend, dass Hamburgs Behörden und die Verwaltung insgesamt ein Umdenken anstoßen. Die Themen Digitalisierung und Datenbereitstellung müssen zunehmend in den Fokus rücken. Der Aufruf von Thomas Fuchs zur Schaffung klarer Regeln für Transparenz und Offenheit könnte dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Nur so kann das Vertrauen der Bürger in die öffentliche Verwaltung gestärkt werden.

Für weiterführende Informationen zur Thematik, klicken Sie bitte auf die Quellen: Radio Hamburg und Welt. Für einen weiteren Kontext zur Digitalisierung in Deutschland, besuchen Sie Deutschlandfunk Kultur.