Ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Buchbinderei wird am 8. Dezember gefeiert: Die Universitätsbuchbinderei Fritz Castagne in Kiel, die älteste noch bestehende Buchbinderei Deutschlands, begeht ihr 225-jähriges Bestehen. Gegründet im Jahr 1800 von Johann Friedrich Castagne, hat sich das Unternehmen über Generationen hinweg einen Namen gemacht und auch der dänische König Christian VII. ernenannte Castagne 1802 zum Universitätsbuchbinder.
Die Buchbinderei, die ursprünglich in der Kieler Altstadt ansässig war, ist seit 1996 an ihrem aktuellen Standort in der Faulstraße. Seit 25 Jahren leitet Stefanie Tönnis das Unternehmen, nachdem sie 1988 ihre Ausbildung dort begonnen hat. Trotz der modernen Entwicklungen in der Buchproduktion verwenden die Buchbinderinnen immer noch Maschinen aus dem 19. Jahrhundert, einschließlich einer großen Stockpresse und einer Heftmaschine, die für die authentische Handwerkskunst stehen.
Traditionen und moderne Anwendungen
Die Hauptkunden der Buchbinderei sind vor allem Bibliotheken, Museen und Verbände, die zahlreiche Fachpublikationen binden lassen. Zudem restaurieren Privatkunden ihre alten Bücher, wofür das handwerkliche Können der Buchbinderinnen gefragt ist. Neben diesen traditionellen Aufgaben bieten die Mitarbeiter auch neue Produkte an, wie beispielsweise Schreibtischablagen, Fotoalben und handgeschöpfte Papiersorten, was zeigt, dass sich die Buchbinderei erfolgreich an den Markt anpasst.
Besonders interessant ist die Rolle der Buchbinderei im historischen Kontext. Die Entwicklung von Schrift und Materialien wie Papyrus, Pergament und Papier begründete die Notwendigkeit eines Einbands, um die beschrifteten Seiten zu schützen und besser handhabbar zu machen. Die Erfindung beweglicher Lettern im 15. Jahrhundert revolutionierte die Buchproduktion und führte zu einer steigenden Nachfrage, die sich bis zur Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bemerkbar machte. Hier wurde die Buchherstellung Stück für Stück industrialisiert, dennoch blieb die handwerkliche Buchbinderei für viele unverzichtbar.
Ein Fest der Tradition
Zur Feier ihres 225-jährigen Bestehens lädt die Buchbinderei am 8. Dezember zahlreiche Kunden und Interessierte ein, um gemeinsam das Erreichte zu zelebrieren. Die Veranstaltung verspricht, nicht nur ein Blick in die Geschichte der Buchbinderei zu werfen, sondern auch die kunstvollen Techniken der Veredelung von Bücheräußeren zu präsentieren, darunter Heißfolienprägung und gestaltetes Bezugspapier.
Mit dieser Mischung aus Tradition und Innovation beweist die Universitätsbuchbinderei, dass das Handwerk des Buchbindens auch im digitalen Zeitalter seinen Platz hat. Digitale Produktionsmethoden, wie der Digitaldruck, ermöglichen eine vielfältige Umsetzung in der Buchproduktion, während das handwerkliche Können und die Liebe zur Detailtreue von Buchbinderinnen nach wie vor hoch im Kurs stehen.