In Hamburg bahnt sich eine einschneidende Veränderung in der sozialpädagogischen Ausbildung an. Das Hamburger Institut für berufliche Bildung hat die Schließung aller vier Ausbildungskitas der Fachschulen für Sozialpädagogik angekündigt. Betroffen sind die Kitas in der Gerritstraße (St. Pauli), am Petersweg (Heimfeld), im Göhlbachtal (Eißendorf) und an der Uferstraße (Uhlenhorst). Diese Entscheidung, die bereits in diesem Jahr zur Schließung von acht Kitas in Hamburg geführt hat, sorgt für Aufregung unter Eltern und Fachkräften.
Die Schließung basiert auf verschiedenen Gründen, darunter veränderte Bildungspläne, ein Rückgang der Anmeldungen und bauliche Mängel in den Einrichtungen. Ein Aufnahmestopp für die Kitas in der Gerritstraße und am Petersweg ist bereits in Kraft, während die anderen beiden Kitas ab August folgen sollen. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Kita an der Uferstraße, deren Eltern eine Petition zur Erhaltung ihrer Einrichtung gestartet haben, die bereits rund 4.000 Unterschriften gesammelt hat.
Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die Schließung scharf und warnt vor den negativen Auswirkungen auf die Ausbildungsqualität. Sie bezeichnet die Entscheidung als einen bildungspolitischen Irrweg, der ein bundesweit einmaliges Ausbildungsmodell beendet, das seit den 1960er Jahren besteht. Laut Sven Quiring, dem Vorsitzenden der GEW Hamburg, handelt es sich um eine strukturelle Systementscheidung mit langfristigen negativen Folgen für die Fachkräftesicherung. Die GEW hält die Begründungen des HIBB für unzureichend und verweist darauf, dass beispielsweise die Kita in der Gerritstraße voll ausgelastet ist und eine Warteliste führt, was das Argument eines Überangebots widerlegt.
Folgen für die Ausbildungsqualität
Die Praxisausbildungsstätten (PAS) spielen eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Fachkräften im Bereich Sozialpädagogik. Sie sind spezielle Praxiswerkstätten, in denen Theorie und Praxis miteinander verbunden werden. In diesen Einrichtungen werden aktuelle Standards der frühkindlichen Bildung vermittelt, erprobt und weiterentwickelt. Die Schließung der PAS wird von der GEW als Widerspruch zu den Reformen der Bildungspläne und den politischen Bekenntnissen zur frühkindlichen Bildung gesehen. Die Gewerkschaft fordert daher, dass die Entscheidung des HIBB und des Senats überdacht wird und dass Strukturveränderungen in der Ausbildung transparent und fachlich begründet geprüft werden.
Die Thematik der Schließung der Kitas und der damit verbundenen Ausbildungsstätten ist nicht nur lokal von Bedeutung, sondern wirft auch größere Fragen zur Zukunft der sozialpädagogischen Ausbildung auf. Der Bologna-Prozess und die damit verbundene Akademisierung der Sozialen Arbeit bringen Herausforderungen mit sich, die eine Anpassung der Ausbildungsstrukturen erfordern. In dem Werk „Sozialpädagogik im Übergang. Neue Herausforderungen für Disziplin, Profession und Ausbildung“ wird beispielsweise auf die Auswirkungen neo-liberaler Umstrukturierungen auf die Soziale Arbeit eingegangen und die Transformation der Qualifikationsstrukturen thematisiert. Die Autoren Cornelia Schweppe und Stephan Sting beleuchten in ihrer Monografie die gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Konsequenzen für Disziplin, Profession und Ausbildung in der Sozialen Arbeit, was in diesem Kontext einen besonders wichtigen Aspekt darstellt.
Die Diskussion um die Schließung der Kitas könnte heute in der Hamburgischen Bürgerschaft behandelt werden. Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen getroffen werden und wie sich die Situation für die betroffenen Einrichtungen und die Ausbildung von Fachkräften entwickeln wird. Die besorgten Eltern und die GEW werden sich weiterhin für den Erhalt der Kitas einsetzen und auf die Bedeutung einer hochwertigen sozialpädagogischen Ausbildung hinweisen.



