Hamburg steht vor einem bedeutenden Umbruch im Bereich der frühen Bildung: Das Hamburger Institut für berufliche Bildung plant die Schließung aller vier Ausbildungskitas der beruflichen Fachschulen für Sozialpädagogik. Betroffen sind die Einrichtungen in der Gerritstraße (St. Pauli), Petersweg (Heimfeld), Göhlbachtal (Eißendorf) und Uferstraße (Uhlenhorst) [NDR]. Diese Entscheidung sorgt nicht nur bei den Betroffenen für Besorgnis, sondern ruft auch eine breite öffentliche Debatte hervor.
Die Gründe für diese drastische Maßnahme sind vielschichtig. Neben einem Rückgang der Anmeldungen und baulichen Mängeln beruft sich die Behörde auf veränderte Bildungspläne und ein vermeintliches Überangebot an Kita-Plätzen. Kritiker, insbesondere die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), sehen in dieser Argumentation jedoch einenbildungspolitischen Irrweg. Sven Quiring, der Vorsitzende der GEW Hamburg, beschreibt die Schließung als strukturelle Systementscheidung mit langfristig gravierenden Folgen für die Ausbildungsqualität und die Fachkräftesicherung in der sozialpädagogischen Branche [GEW Hamburg]. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Kita in der Uferstraße, deren Eltern eine Petition zur Rettung ihrer Einrichtung ins Leben riefen. Diese sammelte bereits rund 4.000 Unterschriften.
Die Interessenvertreter argumentieren, dass die Praxisausbildungsstätten (PAS) eine essenzielle Rolle in der sozialpädagogischen Ausbildung spielen, da sie Theorie und Praxis eng miteinander verknüpfen. Die Schließung dieser Einrichtungen würde nicht nur ein seit den 1960er Jahren bewährtes Ausbildungsmodell beenden, sondern auch die Standards frühkindlicher Bildung gefährden [Fachportal Pädagogik].
Immer mehr Stimmen fordern von der Politik, die Entscheidung zu überdenken. Die GEW hat bereits gefordert, dass jede Strukturveränderung in der Ausbildung fachlich begründet und transparent geprüft werden muss. Die Bedenken sind nicht unbegründet, denn in diesem Jahr haben bereits acht Kitas in Hamburg ihre Türen geschlossen oder angekündigt, dies zu tun.
Die Schließung der Ausbildungskitas könnte heute in der Hamburgischen Bürgerschaft Thema sein. Viele hoffen auf eine umsichtige Entscheidungsfindung, die nicht zum Nachteil der kommenden Generationen und der Ausbildungsqualität in der sozialen Arbeit gereicht.



