Ein neues Kapitel in Eißendorf: Der Albert-Schäfer-Weg wird in Max-Goldschmidt-Weg umbenannt. Diese Initiative, die von der Linksfraktion Harburg ins Leben gerufen wurde, findet Unterstützung bei den Parteien SPD und Grüne. Der Vorschlag soll nicht nur einen neuen Namen zu Ehren eines jüdischen Bürgers einführen, sondern auch eine historische Korrektur vornehmen, die längst überfällig ist. Die Entscheidung, den Weg nach Max Goldschmidt zu benennen, erfolgt als aktives Zeichen gegen das Vergessen. Goldschmidt war ein Opfer des wirtschaftlichen Unrechts, das Albert Schäfer, ehemaliger Chef der Phoenix-Werke und Teil einer Expertenkommission zur Untersuchung NS-belasteter Straßennamen, verursacht hat, während er gleichzeitig von den Verstrickungen im NS-Regime profitierte.
Heiko Langanke von der Linksfraktion setzt sich für diesen Wandel ein und hebt hervor, wie Straßennamen als öffentliche Ehrungen fungieren. „Es geht darum, ein historisches Unrecht zu berichtigen und der Erinnerungskultur einen würdigen Platz für Max Goldschmidt zurückzugeben“, so Langanke. Damit wird nicht nur Goldschmidts Schicksal gewürdigt, sondern auch auf die problematische Rolle von Albert Schäfer hingewiesen, der Zwangsarbeiter einsetzte und seinen jüdischen Geschäftspartner drängte, das Unternehmen zu verlassen.
Öffentliches Interesse und Transparenz
Ein besonders wichtiges Element dieser Umbenennung ist die geplante Informationsstele. Diese wird die historische Ambivalenz erläutern und auf Schäfers Rolle während der kampflosen Übergabe Hamburgs 1945 sowie seine Funktion als NS-Wirtschaftsführer hinweisen. Der Wunsch der Initiatoren ist klar: Aufklärung und Transparenz sollen dazu beitragen, die Geschichte hinter den Straßennamen zu verstehen und zu reflektieren.
Die Anwohner müssen sich dabei keine Sorgen um bürokratische Hürden machen. Die Umsetzung der Umbenennung soll unbürokratisch ablaufen, was bedeutet, dass Änderungen in amtlichen Dokumenten für die Anwohner kostenfrei sein werden. Langanke betont, dass die historische Aufarbeitung ohne finanzielle Belastungen für die Anwohner verwirklicht werden soll.
Hintergründe zur Straßenbenennung
Historisch betrachtet haben Straßen immer eine spannende Geschichte zu erzählen. Bereits zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert begannen sich feste Namen für Stadtstraßen und Plätze durchzusetzen. In den letzten Jahrzehnten gab es zahlreiche Umbenennungen, um dem Zeitgeist Rechnung zu tragen oder um historische Ungerechtigkeiten aufzuarbeiten. Die Diskussion über Straßennamen ermöglicht also nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern auch eine kritische Reflexion über die Gegenwart.
Diese breite Diskussion über die Umbenennung des Albert-Schäfer-Wegs zeigt deutlich, dass das Interesse an geschichtlicher Aufarbeitung und Erinnerungskultur weiterhin hoch im Kurs steht. Die Entscheidung, Max Goldschmidt in den Fokus zu rücken, ist ein Zeichen, dass Hass und Diskriminierung keinen Platz in unserem Straßenbild haben dürfen.
Quellen zu den Hintergründen und weiteren Details finden Sie hier: scharnberg.de, linksfraktion-hamburg-harburg.de, und für eine tiefere Einsicht in die Thematik der Straßennamen, besuchen Sie wikipedia.org.



