Am vergangenen Wochenende fand in Hamburg eine eindrucksvolle Solidaritätsdemonstration für Rojava statt, organisiert von der Initiative „Hamburg für Kurdistan“. Die Teilnehmer forderten nicht nur die Anerkennung der kurdischen Selbstverwaltung in Nordsyrien, sondern auch die umgehende Aufhebung der Blockade von Kobanê, die für viele als Symbol für den kurdischen Freiheitskampf gilt. Die Veranstaltung begann an den Landungsbrücken mit einer Gedenkminute für die Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes und zog über die Reeperbahn zur Sternschanze. Mitten in dieser lebhaften Atmosphäre schilderte Yavuz Fersoglu, ein Hamburger Linkspolitiker und Veranstalter, die alarmierende Situation in Rojava. Er berichtete von einem Großangriff auf die kurdische Selbstverwaltung, der Hunderttausende zur Flucht gezwungen habe und zu schweren Menschenrechtsverletzungen geführt habe.

Fersoglu forderte insbesondere die Bundesregierung und die EU auf, sich aktiv für den Schutz der Zivilbevölkerung und die Aufhebung der Belagerung von Kobanê einzusetzen. Auch die Grünen-Politikerin Miriam Block schloss sich dieser Forderung an und warnte davor, islamistische Kräfte zu verharmlosen. Sie kritisierte das Schweigen des Westens und die Rolle der Medien, die eine kritische Berichterstattung vermissen lasse. Heike Sudmann, Ko-Vorsitzende der Hamburger Linksfraktion, äußerte ihre Solidarität mit Rojava und beschrieb die dortige demokratische Selbstverwaltung als multi-ethnisch und multi-religiös. Sie forderte humanitäre Hilfe und eine politische Anerkennung der Selbstverwaltung sowie einen Stopp aller Abschiebungen nach Syrien und in den Irak.

Die Situation in Rojava und die Bedeutung der Selbstverwaltung

Rojava, eine autonome Region in Syrien, symbolisiert für viele Kurden den Traum der Selbstbestimmung. Diese Region wird relativ liberal regiert und steht für Gleichberechtigung und ein multiethnisches Zusammenleben. Salih Müslim, ein prominenter kurdischer Politiker, hatte bereits vor zehn Jahren die Einrichtung einer demokratischen Verwaltung angekündigt, die alle ethnischen Gruppen einbezieht. Nach dem Rückzug der Truppen des Regimes unter Baschar al-Assad im Jahr 2012 waren die Kurden in der Lage, lokale Selbstverwaltungen aufzubauen. Trotz pragmatischer Beziehungen zur Regierung in Damaskus wurde die Autonomie der Kurden nie offiziell anerkannt, doch sie wurde in den Kämpfen gegen die Terrormiliz IS gestärkt.

Die Kurden wurden zu wichtigen Partnern der USA in der globalen Allianz gegen den IS, besonders nach dem Angriff auf Kobâne im Jahr 2014. Politisch inspiriert von den Ideen Abdullah Öcalans, haben sie sich für Gleichberechtigung und Frauenrechte eingesetzt. In der Selbstverwaltung sind alle Posten doppelt von einer Frau und einem Mann besetzt, was ein Zeichen für das Bestreben nach Gleichstellung ist. Dennoch gestaltet sich die Einbeziehung nichtkurdischer Bewohner, insbesondere der Araber, als schwierig. Die politische und militärische Situation ist jedoch angespannt: Mit dem Einmarsch der türkischen Armee in Nordsyrien im Jahr 2018 und den jüngsten Berichten über willkürliche Verhaftungen nach dem Sturz des Assad-Regimes im Jahr 2024 ist die Lage fragil.

Aufruf zur weiteren Solidarität

Die Demonstration in Hamburg endete mit einem Feuerwerk am autonomen Zentrum Rote Flora und einem eindringlichen Aufruf zu einer weiteren Protestaktion am Sonntag um 15 Uhr in Harburg. Die Veranstalter und Teilnehmer möchten damit ein starkes Zeichen der Solidarität setzen und die Aufmerksamkeit auf die drängenden Probleme in Rojava lenken. Die Lage bleibt angespannt, und es ist zu hoffen, dass die internationale Gemeinschaft endlich die nötigen Schritte unternimmt, um die kurdische Selbstverwaltung zu unterstützen und die humanitäre Krise zu lindern.

Für weitere Informationen zu den Hintergründen und aktuellen Entwicklungen in Rojava, besuchen Sie bitte die ausführlichen Berichte auf anf-news und tagesschau.