In Hamburg rumort es. Am 8. Februar 2026 fand eine eindrucksvolle Solidaritätsdemonstration für Rojava statt, initiiert von der Gruppe „Hamburg für Kurdistan“. Unter dem Motto „Für Freiheit und Selbstbestimmung“ schwoll die Menge an den Landungsbrücken zusammen, um ein Zeichen für die kurdische Autonomie in Nordsyrien zu setzen. Die Teilnehmer forderten die Anerkennung der kurdischen Selbstverwaltung und ein Ende der Blockade von Kobanê, die für viele Kurden ein bedeutendes Symbol ihrer Identität darstellt. Rojava steht für eine Region, in der Gleichberechtigung und eine multiethnische Gesellschaft angestrebt werden.
Die Demonstration begann mit einer bewegenden Gedenkminute für die Gefallenen des kurdischen Freiheitskampfes, bevor sie zur Reeperbahn und schließlich zur Sternschanze zog. Yavuz Fersoglu, ein bekannter Hamburger Linkspolitiker und einer der Veranstalter, lieferte eindringliche Schilderungen der derzeitigen Lage in Rojava und wies auf den Großangriff auf die kurdische Selbstverwaltung hin. Hunderttausende seien durch die Angriffe dschihadistischer Milizen zur Flucht gezwungen worden, während die zivile Infrastruktur mehr als arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Menschenrechtsverletzungen hätten zugenommen und die Situation bleibe fragil. Trotz eines Abkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der Übergangsregierung in Damaskus schwebte ein dunkler Schatten über der Region, die einst für ihre fortschrittlichen Ansprüche an Freiheit und Geschlechtergleichheit gefeiert wurde.
Die Stimmen der Unterstützer
Die Redner sprachen klare Worte. Miriam Block von den Grünen forderte unmissverständlich, dass islamistische Kräfte nicht verharmlost werden dürfen, und kritisierte das Schweigen des Westens zu diesen kritischen Themen. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen waren sich einig: Die humanitäre Notlage in der Region fordert mehr als nur gelegentliches Lippenbekenntnis. Heike Sudmann, Ko-Vorsitzende der Hamburger Linksfraktion, drückte ihre Solidarität mit der kurdischen Selbstverwaltung aus, die sie als ein multi-ethnisches und multi-religiöses Projekt bezeichnete. Sie forderte die Bundesregierung und die EU auf, aktiv zu werden und die Belagerung von Kobanê aufzuheben sowie alle Abschiebungen nach Syrien und in den Irak zu stoppen.
Ein besonders kontroverser Punkt war der Vorwurf eines Redebeitrags, der die Berichterstattung des „Spiegel“ kritisierte und das Magazin beschuldigte, die Gewaltideologie des IS zu relativieren. Solche internationalen Beziehungen und Medienstimmen werfen ein Licht auf die komplexe und oft problematische Lage, in der sich die kurdische Selbstverwaltung bewegt. Politische Unterstützung bleibt auf der Strecke, während die Kämpfer und Verfechter der Autonomie in der Defensive sind.
Eine instabile Zukunft
Die Beziehung zwischen der kurdischen Selbstverwaltung und der syrischen Regierung ist nie einfach gewesen. Trotz der pragmatischen Ansätze beider Seiten gab es nie eine offizielle Anerkennung der Autonomie durch das Regime von Baschar al-Assad. Einige Beobachter befürchten, dass die jüngsten Vereinbarungen über ein Ende der Kämpfe das blutige Geschehen in den Hauptgebieten der Kurden zwar vorübergehend entschärfen könnten, allerdings wird auch erwartet, dass die Selbstverwaltung stark eingeschränkt wird.
Die Menschen in Rojava haben nie die Hoffnung aufgegeben, dass ihre Träume von Freiheit und Gleichberechtigung eines Tages in Erfüllung gehen. Die beschriebenen Herausforderungen sind groß, aber die Unterstützung aus Hamburg bei der Solidaritätsdemonstration lässt darauf schließen, dass das Thema Rojava in den Herzen vieler verankert bleibt. Der Protest endete mit einem farbenfrohen Feuerwerk am autonomen Zentrum Rote Flora und einem Ausblick auf eine weitere Protestaktion, die am Sonntag in Harburg stattfinden wird.
Für viele ist Rojava mehr als nur ein geografischer Ort. Es ist ein Symbol für den Kampf für Selbstbestimmung, Frauenrechte und ein Leben in Frieden, das noch lange nicht zu Ende ist. Die Solidarität aus Hamburg ist nicht nur ein Zeichen, sondern ein Schritt, den Stimmen derjenigen Gehör zu verschaffen, die für ihre Freiheit eintreten.
Für mehr Informationen über die aktuelle Situation in Rojava, können Sie die Berichterstattung von ANF News und Tagesschau verfolgen.