Bald wird die Bergiusstraße in Ottensen nicht mehr den Namen des Chemikers Friedrich Bergius tragen, sondern der herausragenden Holocaustüberlebenden und Kämpferin gegen Rassismus, Esther Bejarano, gewidmet. Mit dieser Umbenennung ehrt die Stadt eine Frau, die sich bis zu ihrem Tod im Juli 2021 unermüdlich für Erinnerungskultur und gegen das Vergessen nationalsozialistischer Verbrechen stark gemacht hat. Der Umbenennungsvorschlag wurde im Mai 2024 von der Linken initiiert und fand schnell Unterstützung bei den Fraktionen der Grünen, SPD, Linken, Volt und FDP, was in der Bezirksversammlung zu einer breiten Mehrheit führte. Die offizielle Entscheidung zur Umbenennung wird für den 26. März 2026 erwartet. Der Festakt zur Feier der Umbenennung wird dann am 15. Dezember 2026, dem 102. Geburtstag von Esther Bejarano, stattfinden.
Esther Bejarano, geborene Loewy, wurde am 15. Dezember 1924 in Saarlouis geboren und überlebte als eine von wenigen die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie zunächst in Israel, bevor sie schließlich 1960 nach Hamburg zog und hier einen bedeutenden Teil ihres Lebens verbrachte. Zeit ihres Lebens setzte sich Bejarano für die Aufarbeitung der Geschichte und gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus ein. Ihr Engagement fand auch in ihrer Rolle als Ehrenvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) Ausdruck, wo sie als Zeitzeugin in Schulen sprach und ihre Erinnerungen in Form von Musik und Literatur weitergab.
Ein Leben für die Erinnerung
Esther Bejarano war nicht nur eine Überlebende, sondern auch eine aktive Kämpferin für Gerechtigkeit. Sie trat als Musikerin mit der Rapgruppe Microphone Mafia auf und gab ihre Erfahrungen in mehreren autobiografischen Büchern weiter, darunter „Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts“ aus dem Jahr 2013. Ihre musikalischen Talente entdeckte man bereits im Konzentrationslager, wo sie im Mädchenorchester von Auschwitz spielte.
Die Umbenennung der Bergiusstraße ist nicht nur eine Hommage an eine beeindruckende Lebensgeschichte, sondern auch ein starkes Zeichen gegen das Vergessen. Historiker und Bildungseinrichtungen setzen zunehmend auf innovative Ansätze, um die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten, wie etwa die digitalen Projekte „Shoah Stories“ und „In Echt?“, die jüngere Generationen an das Thema heranführen. Angesichts der Tatsache, dass bis 2040 90 % der Holocaust-Überlebenden nicht mehr leben werden, sind solche Initiativen von großer Wichtigkeit, um die Erinnerungen und Lehren der Vergangenheit an kommende Generationen weiterzugeben.
Mit der Umbenennung wird ein Platz in Hamburg zum Symbol für das unermüdliche Engagement von Esther Bejarano, die ihre Stimme stets gegen Ungerechtigkeit erhoben hat. Anwohner werden rechtzeitig über die Änderungen informiert, und die Umstellung von Ausweisen und Dokumenten erfolgt kostenfrei. Trotz anfänglicher Bedenken bzgl. des bürokratischen Aufwands sieht es so aus, als würden alle Hindernisse in naher Zukunft überwunden werden können.
Wir blicken gespannt auf den offiziellen Festakt im Dezember 2026 und auf das, was das neue Kapitel für die Erinnerung an Esther Bejarano und ihr Lebenswerk bedeuten wird. In einer Welt, die sie so oft vergessen möchte, bleibt die Hoffnung, dass ihre Geschichte und ihre Botschaft weiterleben.
Weitere Details zur Geschichte und Biografie von Esther Bejarano finden Sie auf der Webseite von Wikipedia und zur Umbenennung der Straße auf MOPO. Für aktuelle Entwicklungen im Bereich der Erinnerungskultur besuchen Sie Tagesschau.