Das Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli zieht nicht nur auf dem Platz, sondern auch an den Wänden der Stadt große Aufmerksamkeit auf sich. An einer Backsteinwand an der Schützenstraße wird die Rivalität zwischen den beiden Clubs seit Jahren in Form von Graffiti ausgedrückt. Diese Wand zeigt die Farben der konkurrierenden Vereine, die immer wieder übermalt und neu interpretiert werden. Aktuell prangt dort ein frisches HSV-Logo, dessen Verweildauer ungewiss ist, denn es wird erwartet, dass es bald wieder übermalt wird. Der Geschäftsführer der Animationsfirma „Moin Motion“, Caspar Domizlaff, beobachtet dieses Spektakel seit Jahren aus seinem Bürofenster. Er hat über zwei Jahre hinweg mehr als 50 Schichten Graffiti fotografiert und daraus eine beeindruckende Animation erstellt, die zum Derby veröffentlicht wurde und auf Instagram mehrere hunderttausend Aufrufe erzielte.
In der jüngsten Begegnung der beiden Teams auf dem Platz endete das Spiel mit einem ernüchternden 0:0-Unentschieden, während das letzte Derby am Millerntor Anfang Dezember mit 2:2 endete. In diesem Spiel führte der FC St. Pauli zur Halbzeit mit 2:0, bevor der HSV nach der Pause ausglich. Über 3.000 HSV-Fans sorgten sowohl im Stadion als auch auf dem Weg dorthin für eine beeindruckende Stimmung. Die Vereinigung “Nordtribüne Hamburg” veröffentlichte ein Video, das den Derbymarsch und die Erlebnisse auf dem Kiez über 17 Minuten dokumentiert und innerhalb von zwei Tagen über 60.000 Aufrufe erreichte. Dieses Video enthält Choreographien, Pyro-Szenen und Graffiti-Aktionen.
Graffiti-Tradition und ihre Auswirkungen
Die Graffiti-Tradition an der Schützenstraße besteht laut Anwohnern seit mindestens sieben Jahren, und der Vermieter scheint nichts dagegen zu unternehmen. Ein Anwohner äußerte sogar, dass er Fußball als „Idiotensport“ betrachte, was die ambivalenten Gefühle widerspiegelt, die viele Menschen gegenüber diesem Sport haben. Zudem gibt es Berichte über Graffiti-Aktionen, die in der Umgebung stattfinden, wie etwa das Besprühen eines S-Bahn-Zugs in Dollern durch mutmaßliche HSV-Anhänger. Ein Täter wurde am Ort des Geschehens überwältigt, und die Polizei ermittelt. Der Schaden durch solche Aktionen wird auf mehrere zehntausend Euro geschätzt, was die Spannungen zwischen den Fans und der Polizei verdeutlicht.
Die Rivalität zwischen HSV und FC St. Pauli ist nicht nur sportlicher Natur, sondern auch kulturell tief verwurzelt. Diese Rivalität wird in einer dreiteiligen Dokureihe des NDR mit dem Titel „Die Derbys – Die legendären Fußball-Duelle der Welt“ behandelt. Diese Serie, die ab dem 1. Februar in der ARD Mediathek verfügbar ist, beleuchtet die Verwurzelung der Derbys in der Bevölkerung, ihren Einfluss auf die Popkultur sowie die Geschichte und Ursprünge der Rivalitäten. Die dritte Folge widmet sich speziell dem Hamburger Stadtduell und wird am 5. Februar um 23:05 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Hier kommen sowohl aktuelle als auch ehemalige Spieler, Trainer, Ultras, Hooligans, Journalisten und Fans zu Wort und äußern sich über die besondere Energie in der Stadt, die vor den Spielen spürbar ist.
Die Rivalität zwischen „Pfeffersäcken“ (HSV) und Punks (FC St. Pauli) zeigt, wie Fußball nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft ist. Die Graffiti an der Schützenstraße sind ein lebendiges Zeugnis dieser Rivalität und fangen die Leidenschaft und den Kampfgeist der Fans auf eine einzigartige Weise ein. Ob auf dem Platz oder an der Wand, das Hamburger Derby bleibt ein faszinierendes Kapitel der deutschen Fußballgeschichte.