Im Hamburger Stadtteil Jenfeld, einem bekannten sozialen Brennpunkt, wird die Jugendkriminalität erneut zum Thema der öffentlichen Diskussion. In der zweiten Folge der Dokureihe „RONZHEIMER – Wie geht’s, Deutschland?“, die am Dienstag um 20.15 Uhr in Sat.1 ausgestrahlt wird, beleuchtet BILD-Vize Paul Ronzheimer die erschreckenden Realität Jugendlicher, die in einer Gang aktiv sind. Diese jungen Männer, im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, haben nicht nur eine kriminelle Vorgeschichte, sondern zeigen auch eine gefährliche Nonchalance gegenüber ihren Taten.
„Alles von uns, immer von uns!“ – so stolz bekennen sich die Jugendlichen zu ihren Böller-Explosionen, die in der Doku thematisiert werden. Ein besonders alarmierendes Detail stellt ein Jugendlicher zur Schau: ein großes Schwert, das er aus dem Iran bestellt hat. „Ich habe es fast täglich dabei“, gibt er an. Solche Aussagen rufen die Frage der Gewaltbereitschaft und die damit verbundenen Risiken hervor. Ein anderer Teilnehmer der Doku berichtet von einem Raubüberfall, bei dem er mit einem Messer drohte. „Dann krieg ich halt fünf Jahre“, zögert einer der Jugendlichen nicht, als ein Streetworker auf die möglichen Konsequenzen hinweist.
Die Problematik Jugendkriminalität
Der Zusammenhalt in solchen Gang-Strukturen ist kein Einzelfall in Deutschland. Laut bpb.de haben etwa 5–10 % der tatverdächtigen Jugendlichen mehrere, teils schwerwiegende Straftaten begangen, während die Mehrheit nur einmal mit dem Gesetz in Kontakt kommt. Die „Intensivtäter“, die regelmäßig mit dem Gesetz in Konflikt geraten, sind häufig aus komplexen sozialen Problemlagen heraus in die Kriminalität geraten.
Diese Realität wird von der aktuellen Doku auf eindringliche Weise dargestellt und macht klar, dass es hier um mehr als nur Einzelfälle geht. Die Frage bleibt, warum der Gesetzgeber nicht besser eingreifen kann, um diese Jugendlichen von der Gewalt abzuhalten. Ein Talk mit CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann thematisiert, dass Strafen oft nicht abschreckend wirken und viele Jugendliche bereit sind, die Konsequenzen ihrer Taten in Kauf zu nehmen.
Prävention statt Repression
Der Bedarf an präventiven Maßnahmen ist unübersehbar. Das Bundesjugendministerium arbeitet an Strategien zur Verhinderung von Kinder- und Jugendkriminalität und hat die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Polizei und Justiz gestärkt. Unter bmbfsfj.de wird betont, dass viele Jugendliche nur einmal polizeilich auffällig werden, während eine kleine Gruppe von Intensivtätern für wiederholte schwerwiegende Straftaten verantwortlich ist.
Die Doku über die Jugendgang in Jenfeld ist nicht nur eine Ansammlung erschreckender Einblicke, sondern auch ein Aufruf zur Handlung. Es liegt an der Gesellschaft und den Institutionen, den Jugendlichen Perspektiven zu bieten, um den Kreislauf von Gewalt und Kriminalität zu durchbrechen. Nur so lassen sich die tief verankerten Probleme, die in der Doku eindringlich zur Sprache kommen, wirksam angehen.



