In Hamburg wurde am 29. Januar die 18-jährige Asal Z. getötet, ein Vorfall, der in der Stadt für Aufruhr sorgt. Am Bahnhof Wandsbek-Markt wurde Asal Z. von einem 25-jährigen Mann, Ariop A., vor eine fahrende U-Bahn gestoßen. Dies wird vom Anti-Feminizid-Netzwerk Hamburg als Femizid eingestuft, und das Netzwerk ruft zu einer Kundgebung am 18. Januar auf, um auf die Problematik der geschlechtsspezifischen Gewalt aufmerksam zu machen. Die Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) hat sich ebenfalls klar gegen diesen Vorfall ausgesprochen und ihn als Femizid bezeichnet.

Femizide sind ein strukturelles Problem, das nicht nur Einzelfälle betrifft. Laut den Vereinten Nationen wird weltweit alle zehn Minuten eine Frau getötet, und für das Jahr 2024 wird prognostiziert, dass über 80.000 Frauen Opfer von Femiziden werden. In Hamburg wurden im Jahr 2023 insgesamt 13 vollendete Femizide dokumentiert, während sechs weitere Frauen Tötungsversuchen entkamen. Ein Großteil der Täter sind (ehemalige) Lebenspartner oder Familienangehörige, doch wie im Fall von Asal Z. gibt es auch Täter, die nicht aus einem vertrauten Umfeld stammen. Ariop A. war erst 2024 aus dem Südsudan nach Deutschland gekommen und war der Polizei bereits bekannt.

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Femizid: Ein Begriff mit Geschichte

Der Begriff „Femizid“ stammt vom englischen „femicide“ und leitet sich aus dem lateinischen „femina“ (Frau) und „caedere“ (töten) ab. Ursprünglich bezeichnete „femicide“ die Tötung einer Frau als Alternative zu „homicide“ (geschlechtsneutral). Die Soziologin Diana Russell verlieh dem Begriff in den 1970er Jahren eine neue Bedeutung, indem sie ihn als geschlechtsbezogene Tötungen von Frauen, insbesondere durch Männer, definierte. In Deutschland ist „Femizid“ im Duden als „tödliche Gewalt gegen Frauen aufgrund ihres Geschlechts“ verankert und wird zunehmend in Medien und parlamentarischen Debatten verwendet.

Statistiken zeigen, dass in Deutschland 80% der Tötungen von Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partnerinnen verübt werden. Im Jahr 2023 wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 155 Tötungen von Frauen durch Partner registriert. Dennoch bleibt der rechtliche Kontext des Begriffs in Deutschland unklar, da es keinen speziellen Femizid-Straftatbestand gibt. Aktivistinnen fordern daher die Einführung eines solchen Straftatbestands zur Sichtbarmachung geschlechtsbezogener Tötungsdelikte.

Gesellschaftliche Relevanz und Forderungen

Die Debatte über Femizide ist nicht nur eine Frage der Terminologie, sondern auch der gesellschaftlichen Verantwortung. Kritiker argumentieren, dass bestehende Gesetze wie Mord oder Totschlag ausreichen, fordern jedoch gleichzeitig Verbesserungen in der Prävention und der Anwendung des Rechts. Die zunehmende Verwendung des Begriffs „Femizid“ in Medien ist ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch oft ungenau und manchmal mit opferbeschuldigenden Begriffen behaftet.

Die erschreckenden Zahlen und die wiederholte Gewalttat gegen Frauen verdeutlichen, dass es an der Zeit ist, das Thema geschlechtsspezifische Gewalt in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Die Kundgebung am 18. Januar in Hamburg könnte ein erster Schritt sein, um das Bewusstsein für diese drängende Problematik zu schärfen und eine Diskussion über die notwendigen rechtlichen und gesellschaftlichen Veränderungen anzustoßen.

Weitere Informationen zu Femiziden und deren gesellschaftlichen Auswirkungen finden Sie in der umfassenden Analyse der Bundeszentrale für politische Bildung, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt hier.