In Farmsen-Berne, einem Stadtteil von Hamburg, hat die tragische Geschichte einer 75-jährigen Radfahrerin, die im September 2025 bei einem Unfall ums Leben kam, nun zu einer wichtigen Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit geführt. Fast sechs Monate nach dem Vorfall wurde die Kreuzung Berner Allee/Berner Heerweg mit auffälligen roten Fahrradmarkierungen versehen. Dieser Schritt soll die Sichtbarkeit für Radfahrende erhöhen und somit ähnliche Unfälle in der Zukunft verhindern.

Der tödliche Unfall ereignete sich am 12. September 2025. Die Radfahrerin überquerte die Kreuzung bei Grün, als sie von einer rechts abbiegenden Autofahrerin erfasst wurde. Die Folgen waren verheerend: Sie stürzte und verstarb drei Tage später im Krankenhaus an den Folgen einer Hirnblutung. Ihre Tochter berichtete, dass ihre Mutter, eine erfahrene Radfahrerin, an diesem Tag lediglich kurz Eis einkaufen wollte. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisierte die Rad-Infrastruktur an dieser gefährlichen Kreuzung und hielt eine Mahnwache für die Verstorbene ab. Thomas Lütke, ein Vorstandsmitglied des ADFC, äußerte, dass der Unfall möglicherweise durch bessere Markierungen und Ampelschaltungen hätte vermieden werden können.

Verkehrssicherheit in Hamburg

Die Tragödie ist Teil eines besorgniserregenden Trends in Hamburg, wo im Jahr 2025 insgesamt elf Radfahrer im Straßenverkehr starben – die höchste Zahl seit über zehn Jahren. Polizeivertreter appellierten an die Radfahrenden, freiwillig Helme zu tragen, was jedoch von Fahrradaktivisten als unzureichend kritisiert wurde. Sie sehen dies als ein Versagen der Verkehrssicherheitsarbeit von Polizei und Senat. Der ADFC fordert daher ein verstärktes Engagement der Bundesregierung, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) stieg die Zahl der getöteten Radfahrenden in Deutschland zwischen 2014 und 2024, mit über 400 jährlichen Todesopfern und mehr als 90.000 Verletzten. (ADFC)

Die Probleme mit der Radinfrastruktur sind vielfältig: kaputte Radwege, zu schmale Wege und Parken auf Radwegen tragen zur Unsicherheit bei. Besonders an Kreuzungen, wo die meisten Unfälle passieren, fordert der ADFC flächendeckende, physisch geschützte Radwege sowie eigene Wegeführungen und Ampelschaltungen für Radfahrende. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zur Vision Zero bekannt, die darauf abzielt, Tote und Schwerstverletzte im Straßenverkehr auf Null zu reduzieren. Diese ehrgeizigen Ziele können jedoch nur durch eine geförderte Ausbauoffensive für geschützte Radwegenetze und eine Verkehrsberuhigung erreicht werden.

Die Rolle der Daten und Infrastruktur

Um die Radinfrastruktur in Deutschland systematisch zu verbessern, spielt die Plattform Radinfra.de eine entscheidende Rolle. Diese bietet detaillierte und standardisierte Daten zur Radinfrastruktur und wird täglich aktualisiert. Die Daten sind in OpenStreetMap (OSM) integriert und ermöglichen eine umfassende Analyse der Radwege nach Führungsformen. Radinfra.de richtet sich an OpenStreetMap-Aktive, Radfahrende und Verwaltungsmitarbeitende, um die Vollständigkeit und Aktualität der Radwege in ihrer Region zu überprüfen und aktiv zur Verbesserung der Daten beizutragen. (Radinfra.de)

Die Notwendigkeit eines zukunftsfähigen Radwegenetzes wird durch den Vergleich der Bundesländer deutlich: Während Bayern mit 332.578 km das längste Straßennetz hat, beträgt der Anteil der Radinfrastruktur nur 8%. Im Gegensatz dazu hat Bremen beeindruckende 43% Radinfrastruktur im Verhältnis zur Gesamtlänge des Straßennetzes. Diese Unterschiede verdeutlichen die Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um ein sicheres und einladendes Umfeld für Radfahrende zu schaffen.