Der Hamburger Flughafen und Lufthansa Technik stehen vor einer grundlegenden Veränderung. Ab Montag beginnen die Bauarbeiten für den Anschluss an das städtische Fernwärmenetz, die bis Ende 2028 die Verkehrsführung im Hamburger Norden beeinträchtigen werden. Airliners.de berichtet, dass die Trasse der neuen Fernwärmeleitung eine Länge von 4,7 Kilometern hat und von der Otto-Wels-Straße in Winterhude über die Hindenburgstraße in Alsterdorf bis zum Flughafenareal in Fuhlsbüttel verläuft. Der Umbau ist in zehn Abschnitte gegliedert, die teils parallel bearbeitet werden sollen, doch erste Einschränkungen stehen bereits bevor: bis voraussichtlich November wird ein Abschnitt der ehemaligen Hindenburgstraße, die nun Traute-Lafrenz-Straße heißt, gesperrt sein.
Die Umleitungen von Buslinien 23 und 28 sowie die bevorstehenden Vollsperrungen ab Frühjahr 2027 zeigen, dass sich die Verkehrsbedingungen merklich ändern werden. Besonders betroffen wird die U-Bahnlinie U1 sein, die von Juli bis Oktober zwischen Lattenkamp und Fuhlsbüttel Nord unterbrochen wird, während Ersatzbusse die Fernwärmetrasse queren müssen. hamburg.de ergänzt, dass die Hamburger Energiewerke die Baumaßnahme in engem Austausch mit der Hamburger Hochbahn und Hamburg Wasser koordinieren.
Hintergrund der umfangreichen Arbeiten ist ein ambitioniertes Klimaziel. Durch den Anschluss an das Fernwärmenetz soll Hamburgs jährlicher CO2-Ausstoß um etwa 17.000 Tonnen gesenkt werden, was einem Rückgang von knapp 0,15 Prozent des aktuellen städtischen Ausstoßes von 11,7 Millionen Tonnen entspricht. Die Pläne sehen vor, dass bis 2030 die CO2-Emissionen in Hamburg um 47 Prozent im Vergleich zu 2023 gesenkt werden sollen – Steinkohle soll bis spätestens zu diesem Zeitpunkt gänzlich aus der Wärmeproduktion verbannt werden. Hamburger Energiewerke sehen den Anschluss an das Fernwärmenetz als eine entscheidende Maßnahme zur Erreichung dieser Ziele.
Zielsetzung und Auswirkungen
Senator Jens Kerstan hebt die Wichtigkeit des Projekts für die Klimaziele Hamburgs hervor und betont damit die Verantwortung der Stadt, sich glaubwürdig auf den Weg zur Klimaneutralität zu begeben. Andreas Rieckhof, Staatsrat für Wirtschaft, sieht nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile für die Region. Der Wärmebedarf von 40 Megawatt für Lufthansa Technik und 11 Megawatt für den Flughafen Hamburg habe das Potenzial, dem Bedarf von rund 17.000 Wohneinheiten zu entsprechen. Damit wird auch die Möglichkeit geschaffen, zukünftige Anschlüsse weiterer Wohn- und Geschäftshäuser im Hamburger Norden zu realisieren.
Die wirtschaftliche Perspektive wird durch Michael Prinz, Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke, unterstrichen, der den Anschluss als einen Wachstumsschub für den Hamburger Norden betrachtet. Der Standort ist bereits eng mit dem Gewerbepark Hamburg-Nord verbunden, was Synergien schafft. Die Umstellung auf klimaneutrale Stadtwärme verspricht für Lufthansa Technik eine Reduzierung der Emissionen um zwei Drittel und für den Flughafen Hamburg das Ziel eines CO2-emissionsfreien Betriebs bis 2035.
Der Blick in die Zukunft
Mit dem anstehenden Bau eines Wärmespeichers in Tiefstack und dem Abriss eines Steinkohlekraftwerks in Moorburg zeigt Hamburg, dass der Weg zur Klimaneutralität konsequent weiterverfolgt wird. Die Hamburger Energiewerke planen, bis 2045 eine komplett klimaneutrale Wärmeversorgung zu gewährleisten. Aktuell umfasst das Stadtnetz bereits eine beeindruckende Länge von 860 Kilometern. Das Projekt, das jetzt in die Umsetzung startet, steht nicht nur für einen wesentlichen Schritt in Richtung Klimaziele, sondern auch für einen Aufbruch in eine nachhaltige Energiezukunft in Hamburg.