Die Hamburger Ballettszene steht vor einem Umbruch: Demis Volpi, der erst im August 2024 die Nachfolge von Ballettlegende John Neumeier antrat, hat einen Auflösungsvertrag mit sofortiger Freistellung unterzeichnet. Dies wurde in einer einvernehmlichen Entscheidung zwischen Volpi und dem Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper bekannt gegeben, wie [Welt] berichtet.
Der Grund für diesen drastischen Schritt sind schwere Mobbing-Vorwürfe gegen Volpi, die zu einer anonymen Gefährdungsbeurteilung durch die Kulturbehörde führten. Das Ergebnis der Beurteilung kam zu einem klaren Schluss: Volpi sei nicht mehr haltbar im Amt. Diese Entwicklung ist besonders brisant, da er erst vor kurzem in die Fußstapfen von Neumeier trat, der 51 Jahre lang das Hamburg Ballett prägte.
Toxische Arbeitsbedingungen
Ein offener Brief von Tänzerinnen und Tänzern kritisierte ein „toxisches Arbeitsklima“ und mangelnde Kompetenz seitens Volpi. Insgesamt haben fünf Erste Solisten des Hamburg Balletts ihre Verträge nicht verlängert, und zahlreiche Mitglieder des Ensembles haben einen Brandbrief an Kultursenator Carsten Brosda unterzeichnet, in dem von einer „Atmosphäre der Angst“ unter Volpi berichtet wird. Kritiker werfen ihm geringschätziges Verhalten und fehlende Kommunikation vor, was zu einem großen Unmut in der Kompanie geführt hat, so [BR Klassik].
Besonders alarmierend ist der Vorfall mit einer 17-jährigen Tänzerin, die während einer Probe mit Volpi eine Panikattacke erlitt. Diese und andere Vorwürfe führen zu einem offenen Austausch über die Arbeitsbedingungen im Ballett, die als untragbar angesehen werden. In diesen herausfordernden Zeiten bleibt auch der künstlerische Anspruch nicht unberührt: Volpis geplante Uraufführung „Demian“ wurde abgesagt, und stattdessen wird das Ballett „Surrogate Cities“ aufgeführt, mit dem er sich in Düsseldorf verabschiedet hat. Die ersten beiden Premieren unter seiner Direktion waren zwar erfolgreich, doch der Druck auf die Gruppe hat spürbar zugenommen, wie in [Augsburger Allgemeine] beschrieben.
Die Zukunft des Hamburg Balletts
Der Aufsichtsrat plant nun eine gemeinschaftliche Interimsleitung bis zum Ende der Spielzeit 2025/2026. Gespräche laufen mit potenziellen Kandidaten wie Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt. Währenddessen hofft die Ballettgemeinschaft, dass diese Übergangsphase die Chance bietet, die Wogen zu glätten und ein neues Arbeitsklima zu schaffen.
Trotz der kritischen Situation gibt es Stimmen, die befürchten, dass das Hamburg Ballett in eine nostalgische Rückkehr zu Neumeiers Erbe verfallen könnte. Die Hamburger Medien berichten skeptisch über die Entwicklungen, die sich in diesem traditionsreichen Ballettinstitution abspielen. Während die ersten Erfolge unter Volpi Grund für Hoffnung ließen, könnten die anhaltenden Probleme das gesamte Ensemble in eine schwierige Lage bringen.
Die Ergebnisse der anonymen Befragung zur Arbeitssituation werden in den kommenden Tagen veröffentlicht, was für die Beteiligten sowohl eine Erleichterung als auch eine neue Herausforderung darstellen könnte. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Ballettszene in Hamburg entwickeln wird und ob sie die Krise erfolgreich meistern kann.