Generationenwechsel beim Hamburger Apothekerverein: Wer sind die Neuen?

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Groß Borstel: Regionaler Apothekenwechsel – Dr. Graue wird verabschiedet, neue Botschafter der pharmazeutischen Versorgung vorgestellt.

Groß Borstel: Regionaler Apothekenwechsel – Dr. Graue wird verabschiedet, neue Botschafter der pharmazeutischen Versorgung vorgestellt.
Groß Borstel: Regionaler Apothekenwechsel – Dr. Graue wird verabschiedet, neue Botschafter der pharmazeutischen Versorgung vorgestellt.

Generationenwechsel beim Hamburger Apothekerverein: Wer sind die Neuen?

In Hamburg steht ein generativer Wandel im Apothekerverein an, denn mit Dr. Jörn Graue, der stolze 92 Jahre alt ist und 40 Jahre lang den Vorstandsvorsitz inne hatte, hat eine Ära ihr Ende gefunden. Unter dem festlichen Rahmen eines „Rubin-Jubiläums“ dankte die langjährige Vize Hensen Graue in einer bewegenden Rede für seinen unermüdlichen Einsatz für die Apothekerschaft. Graue, bescheiden wie eh und je, kommentierte den Dank mit den Worten: „Ich habe nur meine Pflicht getan.“ Pharmazeutische Zeitung berichtet.

Die Neuwahl brachte frischen Wind ins Spiel, und die neuen Kanditaten stellten sich vor: Lasse Oberste-Berghaus, Inhaber der Silber Apotheke in Hamburg-Horn und der Galenus-Apotheke in Marmstorf, sowie Barbara Gröbner und Svea Burhop, beide Jahrgang 1983 und seit Jahren selbstständig in ihren Apotheken in Bergedorf und Groß Borstel. Christoph-Oliver Jarchow, der die Saseler Markt-Apotheke leitet, complete das Quartett der neuen Gesichter.

Apotheken unter Druck

Doch der Generationswechsel kommt zu einer Zeit, in der die gesamte Apothekerschaft unter erheblichem Druck steht. Die Deutsche Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) warnte kürzlich, dass ein Viertel der Apotheken in Deutschland akut gefährdet ist, falls nicht umgehend Reformen umgesetzt werden. Aktuell sind etwa 21 Apotheken pro 100.000 Einwohner präsent, während der EU-Durchschnitt bei 32 liegt. Apotheken Umschau hebt hervor, dass die Zahl der Betriebe Ende 2023 auf 17.571 gesunken ist – ein dramatischer Tiefstand.

Die Hintergründe sind vielfältig: Eine verschleppte Honoraranhebung, steigende Sach- und Personalkosten und ein Fachkräftemangel drücken die kleinen Betriebe zunehmend in die Bredouille. Die Honorare für rezeptpflichtige Medikamente wurden seit 2013 nur um 10 Prozent gestiegen, während der tatsächliche Aufwand für Apotheken stark zunahm. Damit bleibt vielen Apothekern nur noch ein schmaler Gewinn – 2023 betrug der Gewinn vor Steuern lediglich 148.000 Euro. Ein Drittel der Inhaber lag mit dem Betriebsergebnis sogar unter dem Salär eines angestellten Krankenhausapothekers.Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die versprochene Unterstützung durch die Politik, insbesondere für kleine Betriebe, bisher ausblieb.

Der neue ABDA-Präsident und seine Agenda

Thomas Preis, der neu gewählte Präsident der ABDA, setzt sich energisch für eine Stärkung der öffentlichen Apotheken ein. Mit 59 Prozent der Stimmen wurde er bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung gewählt, und er hat klare Ziele: Die Beseitigung der Lieferengpässe bei einer Vielzahl von Medikamenten ist oberste Priorität. Momentan sind etwa 500 Medikamente bundesweit nicht verfügbar, darunter auch wichtige Arzneimittel wie Kochsalzlösungen und Antibiotika-Säfte für Kinder. Die Situation stellt eine erhebliche Bedrohung für die Daseinsvorsorge dar, so Preis. Süddeutsche Zeitung zitiert Preis, der auf die unzureichenden Fortschritte der aktuellen Regierung hinweist.

Die Apotheken haben in dieser kritischen Phase Unterstützung signalisiert. Eine bundesweite Aktion unter dem Motto „Wir sehen rot“, organisiert von der ABDA, soll die Öffentlichkeit auf die schwierige Lage aufmerksam machen. Die Teams tragen rote Kittel, ein eindringlicher Hinweis darauf, dass jetzt Handlungsbedarf besteht. Nur durch aktive Reformen und gezielte Maßnahmen kann der drohende „Apothekensterben“ abgewendet werden.

In diesem spannenden und herausfordernden Umfeld steht der neue Vorstand des Hamburger Apothekervereins vor der Aufgabe, nicht nur die Traditionen zu bewahren, sondern auch frische Lösungen zu finden. Wie gut sie das meistern, hängt von der Unterstützung der gesamten Branche und der Politik ab.