Die Diskussion rund um die Unterbringung von kriminellen Kindern und Jugendlichen in Hamburg erhitzt derzeit die Gemüter. Die Hamburger CDU fordert die Wiedereinführung eines geschlossenen Heims für diese Gruppe. Ein entsprechender Antrag soll noch im Dezember 2025 in der Bürgerschaft behandelt werden. CDU-Bürgerschaftsabgeordneter Richard Seelmaecker kritisiert die gegenwärtige Situation scharf und spricht von einer „Lücke in der Betreuung junger Intensivtäter“ in der Hansestadt.
Die Beratungen sind angesichts der gesichteten Fälle drängend: So wurden in den letzten Monaten ein elfjähriger Serieneinbrecher und ein gewalttätiger 14-Jähriger von der Polizei rund um die Uhr bewacht, da für sie kein geeigneter Ort zur Unterbringung zur Verfügung stand. Das Gefängnis war für die beiden Jungs einfach zu jung, aber eine Lösung in Form eines geschlossenen Heims existiert nicht mehr.
Die kritische Lage in Hamburg
Die Kritik der CDU an der rot-grünen Senatsregierung ist nicht nur ein politisches Pinguinspiel. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft äußert Unverständnis über die anhaltende Situation. In Hamburg gab es bis 2008 ein geschlossenes Heim in der Feuerbergstraße, welches nach fünf Jahren aufgrund von überfüllten Institutionen und Vorwürfen wie Medikamentenmissbrauch geschlossen wurde. Presseberichte belegen, dass nach der Schließung Jugendliche zeitweise in die Haasenburg-Heime nach Brandenburg vermittelt wurden, die schließlich 2013 wegen Misshandlungsvorwürfen zumachen mussten.
Aktuell plant der Senat eine neue Einrichtung in Groß Borstel, die Intensiveilungen zwischen Jugendhilfe und Psychiatrie bieten soll. Das große Manko? Gesicherte Unterbringung von Intensivtätern ist nicht vorgesehen. Das zeigt umso mehr, dass es an einer adäquaten Lösung für schwierige Jugendkriminalität mangelt.
Über die Notwendigkeit geschlossener Einrichtungen
Die Debatte über geschlossene Heimunterbringung in Deutschland ist alles andere als neu. Laut Wikipedia handelt es sich dabei um eine Form der Jugendhilfe, die jedoch immer wieder in der Kritik steht. Gehäuft wird die geschlossene Unterbringung, wenn es um Fälle von Jugendkriminalität oder Selbst- und Fremdgefährdung geht. Diese Form der Betreuung wird mit richterlicher Genehmigung und auf Antrag der Sorgeberechtigten eingerichtet. Die Kosten für einen Platz in einem geschlossenen Heim liegen in der Regel zwischen 300 und 500 Euro pro Tag.
Außerdem zeigt eine Analyse, dass die Zahl der geschlossenen Unterbringungen in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hat. Im Jahr 2013 waren bereits 389 Kinder und Jugendliche in solchen Einrichtungen untergebracht, wobei die Kapazitäten in anderen Bundesländern, wie Bayern mit 126 Plätzen, bemerkenswert hoch sind. Doch gleichzeitig gibt es erhebliche Stimmen, die sich gegen diese Praxis aussprechen: Kritiker argumentieren, dass geschlossene Einrichtungen oft in autoritäre Strukturen abdriften und die osmotische Abkehr von anderen pädagogischen Möglichkeiten symbolisieren.
Einige Wissenschaftler und Kritiker betonen, dass die Existenz von geschlossenen Heimunterbringungen zu einer Ausgrenzung und Desintegration junger Menschen führen kann. Ein Blick auf die dokumentierten Missstände – vom Zwang bis zur Isolation – gibt wenig Anlass zur Freude. Eine Reform der bestehenden Systeme scheint in dieser hitzigen Debatte unausweichlich.
Eine Lösung könnte die Einführung alternativer Ansätze sein, die auf individuelle Betreuung und langfristige Beziehungskontinuität abzielen – dass wäre eine entscheidende Wende zu einer Erziehung in Freiheit. Auf der anderen Seite wird der Schrei nach Sicherheit in der Gesellschaft laut: Die derzeit stark steigenden Polizeieinsätze in der Kriseneinrichtung für Kinder und Jugendliche verdeutlichen, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Wie sich die Diskussion in den kommenden Wochen entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Es muss eine Balance gefunden werden, die sowohl dem Schutz der Gesellschaft als auch dem Wohlergehen und der Erziehung der Jugendlichen dient.