In Hamburg zeigt sich erneut ein deutlicher Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern. Im vergangenen Jahr verdienten Frauen in der Hansestadt durchschnittlich 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Diese Zahlen wurden vom Statistikamt Nord einen Tag vor dem Equal Pay Day veröffentlicht und verdeutlichen, dass der Lohnabstand in Hamburg sogar um einen Prozentpunkt höher ist als der bundesweite Durchschnitt von 16 Prozent. Der durchschnittliche Stundenlohn für Frauen beträgt demnach 25,29 Euro brutto, während Männer mit 30,40 Euro brutto deutlich mehr verdienen.

Besonders ausgeprägt ist der Lohnunterschied bei Beschäftigten mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, wo Frauen sogar 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Ursachen für diesen Verdienstunterschied sind vielfältig. Frauen arbeiten häufig in Teilzeit, erreichen seltener Führungspositionen und sind oft in schlechter bezahlten Berufen tätig. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert diese Ungleichheit scharf, da sie zu einer erheblichen Rentenlücke und einem höheren Armutsrisiko für Frauen führt. Der DGB fordert daher eine Aufwertung von Gesundheits-, sozialen und Erziehungsberufen, um diesen Missständen entgegenzuwirken. Ausführliche Informationen zu den Verdienstunterschieden sind auf der Webseite des Statistischen Bundesamts (Destatis) verfügbar.

Der Gender Pay Gap im Detail

Der Gender Pay Gap (GPG) beschreibt den Verdienstunterschied pro Stunde zwischen Frauen und Männern. Dabei wird zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap unterschieden. Der unbereinigte GPG berücksichtigt alle Verdienstunterschiede, einschließlich solcher, die auf unterschiedliche Berufe, Karrierelevel oder Qualifikationen zurückzuführen sind. Der bereinigte GPG hingegen vergleicht die Stundenverdienste von Frauen und Männern mit vergleichbaren Eigenschaften und gilt als „Obergrenze“ für Verdienstdiskriminierung.

Die Berechnung des Gender Pay Gap orientiert sich an der Eurostat-Definition und schließt alle Wirtschaftszweige ein, außer dem öffentlichen Sektor. Dabei fließen sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigte in die Berechnung ein. Trotz der Fortschritte in der Erhebung von Lohninformationen bleibt die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern bestehen. Der unbereinigte Gender Pay Gap spiegelt strukturelle Unterschiede wider, wie die häufigere Teilzeitarbeit von Frauen und deren geringere Karrierechancen.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der Gender Pay Gap in Deutschland bis 2025 voraussichtlich auf 16 Prozent sinken wird. Die Prognosen deuten darauf hin, dass der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Frauen auf 22,81 Euro ansteigen wird, während Männer bei 27,05 Euro liegen werden. Im Jahr 2006 betrug der GPG noch 23 Prozent, was eine langsame, aber stetige Verbesserung anzeigt. Der Rückgang um zwei Prozentpunkte im Jahr 2024 ist auf einen Anstieg des Verdienstes von Frauen zurückzuführen.

Im internationalen Vergleich liegt der GPG in Deutschland jedoch über dem europäischen Durchschnitt, der 2023 bei 12 Prozent liegt. Während die Löhne in West- und Ostdeutschland gestiegen sind, bleiben die Löhne in Ostdeutschland weiterhin niedriger. Der Gender Pay Gap variiert zudem stark zwischen verschiedenen Branchen, wobei im Dienstleistungsbereich Unterschiede von 0 bis 30 Prozent bestehen. Eine wesentliche Ursache für den Rückgang des GPG seit 2015 ist die Einführung des Mindestlohns, von dem insbesondere Frauen, die häufig im Niedriglohnsektor arbeiten, profitieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass trotz Fortschritten in der Gleichstellung der Geschlechter weiterhin erhebliche Verdienstunterschiede bestehen. Das Entgelttransparenzgesetz hat bislang keine signifikante Verringerung der Entgeltungleichheit bewirken können, und es bleibt abzuwarten, ob die notwendigen Anpassungen an die europäische Entgelttransparenzrichtlinie bis zum 7. Juni 2026 zu Verbesserungen führen werden. Die Herausforderungen sind groß, doch die Diskussion über Lohngerechtigkeit ist wichtiger denn je.