In Hamburg wird der Kaffeemarkt derzeit kräftig aufgemischt. Die chinesische Billig-Café-Kette Cotti Coffee hat jüngst ihre zweite Filiale in der Hansestadt eröffnet, und zwar an der Langen Reihe in St. Georg. Die erste Niederlassung befindet sich bereits an der Grindelallee in Rotherbaum. Mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis will Cotti Coffee, die im Januar 2023 in den deutschen Markt eintrat, neue Kunden gewinnen. Ein Espresso gibt’s für gerade einmal 99 Cent, und ein Americano kostet zwei Euro.
Das Konzept von Cotti Coffee ähnelt dem der Berliner Konkurrenz LAP Coffee, die erst im September in Hamburg aufschlug. Beide Ketten setzen auf vollautomatische Maschinen und betonen den „Coffee to go“-Trend. Während LAP Espresso für 1,50 Euro und Cappuccino für 2,50 Euro anbietet, brilliert Cotti mit noch günstigeren Alternativen und sieht sich damit oft dem Vorwurf des Preisdumpings ausgesetzt. Kritiker rufen deshalb sogar zum Boykott auf und haben Schaufenster mit Farbe verunstaltet, was den Konflikt zusätzlich anheizte.
Ein Kaffeeerlebnis für alle
Cotti Coffee hat sich zum Ziel gesetzt, Kaffee für alle erschwinglich zu machen. Die Einrichtung der Cafés ist schlicht und erinnert an eine Bahnhofswartehalle – kein Schnickschnack, aber funktional. Besonders smart: Kunden, die ihre Getränke über eine App vorbestellen, profitieren von zusätzlichen Rabatten. Außerdem wird ein kleines, aber feines Snackangebot bereitgehalten: von Croissants über Donuts bis hin zu Zimtschnecken und Brezeln ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Getränke werden allerdings im Plastikbecher serviert, auch für den Verzehr vor Ort.
Dennoch kommt die neue Konkurrenz nicht ohne Bedenken. Viele Sorgen sich um die kleine, lokale Café-Kultur. Hat Cotti Coffee das Potenzial, die etablierten Cafés wie LAP Coffee zu verdrängen? Die bereits erwähnten Bedenken hinsichtlich der Verdrängung kleiner Cafés werden durch die aggressive Expansionsstrategie von Cotti Coffee untermauert. Die Kette hat mittlerweile 18.000 Filialen in 28 Ländern und hat sich damit zur globalen Nummer drei hinter Starbucks und Luckin Coffee etabliert.
Die Vorlieben der Kaffeekonsumenten
Cotti Coffee hat sich nicht nur durch seine niedrigen Preise einen Namen gemacht. Kunden können bei der Bestellung auch einen besonderen Anreiz erhalten: Ein kostenloses Getränk, wenn sie ein Foto auf Instagram posten. Dieses moderne, digitale Marketing hat auch LAP Coffee, die bereits über 20 Filialen in Deutschland verfügen, übernommen, was den direkten Wettbewerb zwischen den beiden Ketten noch interessanter macht.
Während Starbucks in China Marktanteile verliert – von 14 Prozent und damit hinter Cotti Coffee zurückfällt – ist der Druck auf die Anbieter hierzulande spürbar. Die Kette LAP Coffee hat vor Kurzem eine Kooperation mit der Deutschen Bahn angekündigt und betreibt bis April 2024 eine Filiale in einer S-Bahn-Verteilerebene in München.
Insgesamt lässt sich beobachten, dass die Kaffeekultur in Hamburg ein neuerlichen Wandel durchläuft. Mit dem Aufeinandertreffen von Cotti und LAP stellt sich die Frage, ob die heimische Szene sich anpassen oder möglicherweise sogar verdrängt wird. Der Kampf um den besten – und vor allem günstigsten – Kaffee hat gerade erst begonnen.



