In Hamburg-Altenwerder wird derzeit ein innovatives Projekt realisiert, das nicht nur die Infrastruktur der Hafenstadt modernisiert, sondern auch einen entscheidenden Beitrag zur klimaneutralen Transformation leisten soll. Eine Tunnelvortriebsmaschine gräbt sich unter der Hafenbahn durch, um eine Wasserstoffleitung zu verlegen. Diese Leitung wird Industriebetriebe im Hafen mit klimaneutralem Wasserstoff versorgen, was im Rahmen der Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netz (HH-WIN) Initiative erfolgt. Der Tunnel hat eine Länge von 106 Metern und wird in einer Tiefe von rund 12 Metern gebaut, während der Durchmesser der Maschine bei 80 cm liegt. Um den Bahnbetrieb nicht zu stören, erfolgt der Tunnelbau unter den Gleisen der Hafenbahn, was eine offene Baugrube, die den Bahnbetrieb über Monate hätte unterbrechen können, überflüssig macht.
Die Hamburger Energienetze GmbH ist die Bauherrin dieses ambitionierten Projekts, das bis zum Sommer 2026 abgeschlossen sein soll. Der Tunnelbau ist nur ein Teil des größeren Vorhabens, das auf eine Gesamtlänge von rund 40 km in der ersten Ausbaustufe abzielt und langfristig bis zu 60 km umfassen könnte. HH-WIN ist nicht nur ein infrastrukturelles Projekt, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Klimastrategie Hamburgs, die die Stadt bis 2040 klimaneutral machen möchte. Durch die Nutzung von Wasserstoff sollen in der ersten Phase jährlich 580.000 Tonnen CO₂ eingespart werden, während im Vollausbau bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr durch die Ersetzung von Erdgas durch grünen Wasserstoff vermieden werden könnten.
Technische Details und Baufortschritt
Die Bauarbeiten umfassen die Errichtung eines Start- und Zielschachts aus Betonpfahl-Ringwänden mit über 7 Metern Durchmesser. Die Ingenieure haben dafür gesorgt, dass der Bahnbetrieb sowie die nahegelegene Straße Vollhöfner Weiden während der gesamten Bauzeit befahrbar bleiben. Dies zeigt das durchdachte Konzept, das den Verkehrsfluss in der Region nicht beeinträchtigen soll. Nach der Fertigstellung der Schächte wurde die Tunnelvortriebsmaschine in den Startschacht gehoben, von wo aus sie horizontal durch das Erdreich gräbt. Hinter dem Bohrkopf werden Stahlbetonrohre mit Hydraulikpressen in den Bohrkanal getrieben, während gleichzeitig auch Strom- und Messkabel für die digitale Steuerung des Wasserstoffnetzes verlegt werden.
Der Wasserstoff wird aus südöstlicher Richtung zugeführt und erfordert das Queren mehrerer Gleise der zentralen Hafenbahn-Hauptachse, was die Notwendigkeit eines Tunnelvortriebs noch verstärkt. Die Baumaßnahmen in Altenwerder sind dabei nur ein Teil des gesamten Wasserstoffnetzes, das auch den Luftfahrt-Standort Finkenwerder klimaneutral mit Wasserstoff versorgen soll.
Wasserstoff als Schlüssel zur Klimaneutralität
Wasserstoff spielt eine entscheidende Rolle in der klimaneutralen Transformation industrieller Prozesse in Deutschland. Erneuerbare Energien allein sind nicht ausreichend, um energieintensive Prozesse vollständig zu dekarbonisieren. Experten und politische Entscheidungsträger sehen in Wasserstoff einen Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Deutschland plant, Wasserstoff aus verschiedenen Regionen, sowohl national als auch international, zu importieren. Eine leistungsfähige Infrastruktur ist notwendig, um die Wasserstoffwirtschaft zu unterstützen und die Erzeugung und Nachfrage effizient zu verbinden.
Die Bundesregierung hat eine Importstrategie entwickelt, um Wasserstoff und Wasserstoffderivate aus verschiedenen Quellen, wie der Nordsee, Ostsee, Südwesteuropa, Südosteuropa, Südeuropa und Nordafrika, zu beziehen. Diese strategischen Schritte sind notwendig, um die Kosten für die Umstellung auf Wasserstoff zu optimieren und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das Wasserstoff-Kernnetz, das bis 2032 ein 9.700 km langes Netzwerk umfassen soll, wird zu einem Grundpfeiler für die gesamte Wasserstoffwirtschaft in Deutschland.
Insgesamt zeigt das Projekt in Hamburg-Altenwerder, wie durch innovative Technik und strategische Planung der Weg zur Klimaneutralität geebnet werden kann. Die Fertigstellung der Wasserstoffleitung und des Tunnels wird ein bedeutender Schritt in Richtung einer nachhaltigen und klimafreundlichen Zukunft für die Region darstellen. Weitere Informationen zu diesem spannenden Projekt finden Sie in den Artikeln von Ingenieur.de und Hamburger Energienetze, sowie in der aktuellen Berichterstattung des Bundeswirtschaftsministeriums.



