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In der Geschichte der Bildung in Deutschland nimmt Cläre Lehmann (geboren als Clara Lehmann am 22. September 1874 in Linden bei Hannover; gestorben am 6. Januar 1942 in Hamburg-Harvestehude) einen bemerkenswerten Platz ein. Sie war nicht nur eine engagierte Pädagogin, sondern auch die Gründerin einer Privatschule in Hamburg, die sich durch ihre Offenheit und ihr inklusives Konzept auszeichnete. Als sie 1918 die private Vorschule des Fräuleins Cläre Lehmann in Harvestehude gründete, war dies ein wichtiger Schritt in der Bildungsgeschichte der Stadt. Die Schule war im Hamburger Adressbuch ab 1920 verzeichnet und nahm Knaben im Alter von sechs bis zehn Jahren auf. Im ersten Jahr verzeichnete sie 14 Schüler, doch diese Zahl wuchs bis 1930 auf 110, obwohl die Lizenz auf 95 Schüler limitiert war.

Cläre Lehmann war das siebte von neun Kindern des Pferdehändlers Gottschalk Lehmann und seiner Frau Catharine „Käthchen“. Nach einer Höheren Töchterschule und einem Lehrerinnenseminar unterrichtete sie an mehreren Höheren Töchterschulen in Hamburg. Ihre Reise führte sie und ihre Schwester Anna nach England, wo sie eine Preparatory School in Manchester leiteten. Nach ihrer Rückkehr 1914 unterrichtete sie an der Oberrealschule Eppendorf und der Oberrealschule auf der Uhlenhorst. Besonders bemerkenswert ist, dass die Schule keine konfessionellen Beschränkungen hatte und Kinder aus christlichen und jüdischen Familien aufnahm. Ab 1933 wurde die Schule zunehmend von jüdischen Kindern besucht, die an staatlichen Schulen diskriminiert wurden.

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Die Transformation der Schule

Im Jahr 1937 erlebte die Schule eine grundlegende Veränderung, als sie als „Filiale der Talmud Tora Schule“ charakterisiert wurde und in eine rein jüdische Grundschule umgewandelt wurde. Dies geschah in einem Kontext, in dem die jüdische Gemeinde in Hamburg unter immer stärkeren Repressionen litt. Die Schule wurde am 1. Januar 1940 geschlossen, und die verbliebenen Schüler wurden der „Volks- und Oberschule für Juden“ zugeführt.

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Cläre Lehmann war nicht nur eine Lehrerin, sondern auch eine aktive Unterstützerin der jüdischen Gemeinde in Hamburg. Nach dem Tod ihrer Schwester Grete und ihres Bruders Richard richteten sie und Anna eine Pension für Juden ein, die durch die Gesetze des Nationalsozialismus obdachlos wurden. Ab September 1941 mussten sie den gelben Stern tragen, was ihre prekäre Lage weiter verschärfte. Am 6. Januar 1942 begingen Cläre und Anna Lehmann Suizid, nachdem sie eine Vorladung der Gestapo erhalten hatten. Ihre Urnen wurden am 22. April 1942 auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf beigesetzt, und Stolpersteine wurden für Cläre und Anna Lehmann sowie für den Arzt Berthold Jungmann verlegt, der in ihrer Pension wohnte.

Das Erbe der jüdischen Bildung

Die Geschichte von Cläre Lehmann ist eng verbunden mit der Entwicklung der jüdischen Bildung in Hamburg. Ein weiteres Beispiel ist die Israelitische Töchterschule, die 1883 im Karolinenviertel errichtet wurde. Diese Schule war während der NS-Zeit die letzte Bildungseinrichtung für jüdische Kinder in Hamburg und musste 1942 schließen. Über 300 Schülerinnen und Lehrerinnen wurden deportiert und ermordet. Die Israelitische Töchterschule wurde von ehemaligen Schülerinnen wie Erika Estis, die 1938 mit einem Kindertransport nach England floh, geprägt. Die aktuelle Gedenk- und Bildungsstätte plant, im Juli 2025 eine Dauerausstellung zu eröffnen, die die Geschichte der Schule und das jüdische Leben in Hamburg beleuchtet.

Diese Ausstellung, die von Historikerin Anna de Villiez und Judaistin Sabine Kößling konzipiert wurde, soll nicht nur das Gedenken an die Opfer der Shoah fördern, sondern auch der wachsenden jüdischen Gemeinde in Hamburg Raum bieten. Die historische Inschrift der Schule wurde bereits 1981 rekonstruiert und ist heute wieder gut lesbar. Solche Initiativen sind entscheidend, um die Erinnerung an die jüdische Bildung und das Leben in Hamburg lebendig zu halten und künftigen Generationen zu vermitteln.

Insgesamt reflektiert die Geschichte von Cläre Lehmann und ihrer Schule die Herausforderungen und Errungenschaften jüdischer Bildung im 20. Jahrhundert. Ihre Arbeit, sowie die der Israelitischen Töchterschule, erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Vielfalt und Inklusion in der Bildung zu fördern, besonders in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit.