Hamburg erinnert an eine außergewöhnliche Pädagogin, die nie in Vergessenheit geraten sollte: Cläre Lehmann. Geboren als Clara Lehmann am 22. September 1874 in Linden bei Hannover, widmete sie ihr Leben der Bildung von Kindern aus unterschiedlichsten Hintergründen. Diese engagierte Frauenfigur, die am 6. Januar 1942 in Hamburg-Harvestehude starb, war die Gründerin einer Privatschule, die nicht nur für ihr pädagogisches Konzept bekannt war, sondern auch für ihre couragierte Haltung in schwierigen Zeiten. Laut Wikipedia hatte sie eine große Familie als Hintergrund: Sie war das siebte von neun Kindern eines Pferdehändlers.
Während ihrer Laufbahn unterrichtete sie in verschiedenen Höheren Töchterschulen, bevor sie zusammen mit ihrer Schwester Anna 1918 die private Vorschule des Fräuleins Cläre Lehmann in Harvestehude gründete. Diese Institution erlebte einen rasanten Anstieg der Schülerzahlen und war ab 1933 auf jüdische Kinder angewiesen, die aufgrund der Diskriminierung an staatlichen Schulen waren. Das Schicksal dieser Kinder und ihre erschreckende Verfolgung während des NS-Regimes wird nun durch eine neue Dauerausstellung in der Gedenk- und Bildungsstätte beleuchtet.
Erinnerungskultur und Gedenkstätte
Die Israelitische Töchterschule in Hamburg, die 1883 im Karolinenviertel gegründet wurde, war während der NS-Zeit die letzte Schule für jüdische Kinder in der Stadt. Mit tragischen Verlusten kam sie 1942 zur Schließung. Laut taz.de wurden über 300 Schüler*innen und Lehrer*innen deportiert und ermordet. Die Schicksale dieser Menschen und die Erinnerungen daran sind von zentraler Bedeutung, und diese neue Ausstellung bietet nun einen Raum für Gedenken und Bildung.
Die Ausstellung, die im Juli 2025 eröffnet wurde, zeigt auf 200 Quadratmetern die Geschichte der Schule sowie das jüdische Leben in Hamburg. Sie wurde von Historikerin Anna de Villiez und Judaistin Sabine Kößling konzipiert und erhielt Unterstützung von der Stadt Hamburg. Ihre Konzeption berücksichtigt die jüdische Geschichte, die Bildungs- und Gendergeschichte und spricht auch die heutige, wachsende jüdische Gemeinde an.
Die Geschichte lebendig halten
Fernab der düsteren Geschichte der Verfolgung erstrahlen auch persönliche Erinnerungen: Kim Estes-Fradis, eine ehemalige Schülerin der Israelitischen Töchterschule, brachte zur Eröffnung der Ausstellung alte Schulbücher ihrer Mutter mit. Diese wurden über Jahrzehnte aufbewahrt und bringen die Vergangenheit näher. Kims Mutter, Erika Estis, die 1922 in Hamburg geboren wurde, überlebte die Shoah, während ihre Eltern 1942 deportiert wurden.
Die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitels ist nicht nur die Pflicht der Historiker, sondern eine Verantwortung, die uns allen obliegt. Gedenkstätten wie die in Hamburg sind entscheidend, um die Erinnerungen lebendig zu halten und künftigen Generationen die Wichtigkeit des Gedenkens zu vermitteln.
Die bewegende Geschichte von Cläre Lehmann und die Schicksale der jüdischen Schüler*innen der Israelitischen Töchterschule sind Teil eines kollektiven Gedächtnisses, das in Hamburg stark präsent bleibt. Stolpersteine für Cläre und Anna Lehmann, sowie für den Arzt Berthold Jungmann, der in ihrer Pension wohnte, erinnern uns an die Menschen, die unter dem Nazi-Regime litten und ihr Leben verloren. So wird das Gedenken zu einem aktiven Teil des Lebens unserer Stadt.



