Im Hamburger Stadtteil Rotherbaum wird derzeit ein umstrittenes Bauvorhaben im Grindelhof 87 vorangetrieben. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat eine Baugenehmigung für die Errichtung von 46 Wohneinheiten erteilt. Dies sorgt seit Jahren für Unruhe unter den Anwohnern, die sich vehement für den Erhalt der Freifläche einsetzen. Die Bürgerinitiative „Wundervolles Grindel“ hat ihre Enttäuschung über die Entscheidung des Bezirksamts zum Ausdruck gebracht.
Die geplanten neun terrassenartig gegliederten Gebäude mit jeweils drei Etagen plus Dachgeschoss sollen das historische Bild der Gegend wiederherstellen, da die früheren Terrassenhäuser im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die Anima Projektentwicklung, die hinter dem Vorhaben steht, hat die architektonische Planung der BAID Architektur GmbH anvertraut. Die neuen Wohnungen sollen eine Größe von 40 bis 150 Quadratmetern haben, während im Vorderhaus ein Neubau mit sieben Etagen und 11 Eigentumswohnungen (80 bis 200 Quadratmeter) angedacht ist. Für den Bau des Vorderhauses liegt jedoch noch keine Genehmigung vor, und der Baustart könnte frühestens 2028 erfolgen.
Ängste der Anwohner
Die Baugenehmigung stieß auf heftige Kritik seitens der Nachbarn. Diese befürchten nicht nur eine Verschlechterung der Wohnqualität, sondern auch verstärkte Verschattung und eine schlechtere Durchlüftung durch die neuen Gebäude. Zudem äußern Anwohner Bedenken hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen des Denkmalschutzes der bestehenden Gebäude. Die Anwohnerinitiative sieht die Bauhöhe als problematisch, da das Grundstück durch eine Tiefgarage höher liegt.
Die Anwohner kritisieren auch, dass die neuen Wohnungen die bestehenden nicht ersetzen und keinen Netto-Zuwachs an Wohnraum bieten würden. In diesem Kontext planen sie, rechtliche Schritte gegen das Bauvorhaben einzuleiten. Die Projektentwickler von Anima hingegen betonen, dass das Mikroklima durch versiegelungsarme Flächen und eine gezielte Begrünung erhalten oder sogar verbessert werden soll.
Gestaltung und Erhalt der Freiflächen
Die geplanten Freiflächen sollen nicht nur versiegelungsarm gestaltet werden, sondern auch mit Hecken, Stauden und Bäumen versehen sein. Zudem sind Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie extensive Dachbegrünungen vorgesehen. Die Erschließung der neuen Gebäude erfolgt über eine gemeinsame Hofpassage mit direkten Anschlüssen an die bestehende Tiefgarage, die Stellplätze und Abstellräume für Fahrräder bieten soll. Auch Aufzüge in den Häusern sowie barrierefreie Erdgeschosszonen mit privaten Gartenflächen sind Teil des Konzepts.
Das Vorhaben orientiert sich an der innerstädtischen Vorkriegsbebauung und folgt dem Baustufenplan Harvestehude-Rotherbaum sowie der städtebaulichen Erhaltungsverordnung für die Stadtteile Rotherbaum und Harvestehude. Die Genehmigung für die Terrassenhäuser im Hinterhof ermöglicht eine Weiterentwicklung des Standorts und könnte in den kommenden Jahren das Stadtbild nachhaltig prägen.
Insgesamt zeigt sich, dass das Bauvorhaben im Grindelhof 87 sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Während die Wiedererrichtung eines historischen Stadtbildes angestrebt wird, stehen den Anwohnern zahlreiche Sorgen und Ängste gegenüber. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird, und ob ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Anwohner und den Zielen der Stadtplanung gefunden werden kann. Weitere Informationen zu diesem Thema sind in den Artikeln auf Eimsbütteler Nachrichten und Konii zu finden.